iMAG

IHR LANDSTYLE MAGAZIN

Ich bin dann mal offline

K O L U M N E von Janika Hampl

Ich bin müde geworden. Müde davon, immer erreichbar sein zu müssen. Immer up to date. Immer neidisch. Immer überfordert. Immer unzufrieden. Immer online. Das gefällt zwar vielen meiner Freunde nicht, doch ich kann nicht mehr. Sorry Leute, aber falls mich einer sucht, ich bin jetzt offline. 

Ich sitze gerade im Flieger nach Mallorca. Typisch für eine 22-jährige Deutsche. Nicht so typisch allerdings, dass kein Handy im Reisekoffer ist (auch nicht in der Handtasche!). Ich habe die Suchtbeziehung mit meinem Smartphone vor einer Woche beendet; sie hat mich psychisch kaputtgemacht. Und ich muss zugeben, mir geht‘s verdammt gut damit! 

Bis zur (Ent)scheidung war es ein langer Weg. Wenn ich kein Smartphone habe, kann ich ja gar nicht mehr sehen, wie viele Verspätungen und Ausfälle die Deutsche Bahn hat. Ich kann mir keine deprimierenden Nachrichten mehr auf dem Weg zur Arbeit durchlesen. Keine wunderschönen Photoshop-Gesichter und ihr perfektes Scheinleben beneiden. Und nicht mehr alle fünf Minuten auf das Gerät glotzen, ob mir nicht einer meiner hundert Kontakte „Was geht?“ geschrieben hat. Wie man sieht, war die Entscheidung letztlich doch sehr einfach.

Und jetzt? Ich bin relaxed, meine Freunde sind verärgert. „Was, kein Smartphone? Du grenzt dich ja ganz schön aus. Ich habe keine SMS-Flat, um dir auf dein Steinzeit-Handy zu schreiben. Das ist egoistisch, wie sollen wir dich weiterhin erreichen? Oder willst du nichts mehr mit uns zu tun haben?“, lachen sie mich aus. „Ach Freunde, easy-peasy. Ruft doch an, schreibt mir eine SMS für neun Cent oder kommt vorbei; wir trinken einen Kaffee zusammen“, sage ich lächelnd. An der Flat sollte unsere Freundschaft nicht scheitern, oder etwa doch? Keine Ahnung, das muss ich noch herausfinden. Jedenfalls bin ich seitdem deutlich entspannter, nehme meine Umgebung viel mehr wahr und selbst das Warten stresst mich nicht mehr. Ich habe schließlich Zeit gewonnen, um dabei zum Beispiel ein Buch zu lesen. Am liebsten höre ich Fremden bei ihren Gesprächen zu. Ich stelle nämlich immer wieder fest, dass mein Leben bis jetzt wirklich gut verlaufen ist, und das, obwohl ich nur 125 Follower auf Instagram habe. Auch mein Bedürfnis, mich mit Leuten REAL zu unterhalten und zu treffen ist gestiegen. Also, wer ist jetzt derjenige, der sich ausgrenzt?