Marc Kirschvink

Marc KirschvinkDer Maler Marc Kirschvink ist ein Wanderer zwischen dem Abstrakten und dem Figurativen. Bedient er sich des einen, hat er bereits Sehnsucht nach dem anderen. Dabei weist ihm seine Intuition den Weg. 

 

Nach dem Studium der Illustration im belgischen Lüttich arbeitete der in Belgien geborene Marc Kirschvink eine kurze Zeit als Illustrator in Aachen, bevor er sich selbstständig machte. Damals lernte er einen Künstler kennen, der Wandmalereien schuf, und zusammen verrichteten sie in den nächsten zehn Jahren Auftragsarbeiten als Landschaftsmaler in privaten Schwimmbädern. Nach und nach kamen komplexe architektonische Arbeiten dazu und ihre Firma wuchs im Lauf der Zeit zu einer der fünf besten europäischen in der Branche heran. Dabei schätzte Marc Kirschvink vor allem die abwechslungsreiche Arbeit.

Einen entscheidenden Moment in seiner künstlerischen Entwicklung spielte die Geburt seiner Tochter Ada. Er hörte mit der Wandmalerei auf und nahm zwei Jahre Erziehungsurlaub, um der Tochter nah zu sein. Danach rückte seine eigene Malerei  in den Vordergrund. Unter dem Einfluss der Wandmalerei waren es zunächst realistische Bilder, die, obwohl sehr gut verkauft,  immer mehr in den Hintergrund traten. Eines Tages bekam er kleine Zettel mit Kritzeleien der anderthalbjährigen Ada in die Hände, die ihn faszinierten und den Ausgangspunkt einer ganzen Reihe von abstrakten Bildern mit dem Titel „nach Ada“ bildeten.

Herr Kirschvink, was hat Sie an den  Kinderzeichnungen ihrer Tochter so fasziniert?

Ich konnte technisch vieles umsetzen, aber mit diesen simplen Strichen habe ich meine Wurzeln entdecken können. Ich habe damit wie ein Kind herumgespielt und mich anfangs auch strikt an die Vorlage gehalten, um die kindliche Linienführung  zu erhalten. Die Motive habe ich in größere Formate übertragen und mit kräftigen Farblasuren überlagert. Irgendwann war ich selbst in diesem Thema, habe viel zum Charakter des Linienstrichs experimentiert und machte meine eigenen Geschichten. Es sind immer weitere Themen entstanden, die ich mittlerweile in drei bis vier Kapitel mit mehreren Hunderten Bildern ordne. 

Also könnte man sagen, dass sie gelernt haben, wie ein Kind zu zeichnen?

Ja, könnte man. Man muss das verstehen und dann so mutig sein, darüber hinauszugehen, frei damit umzugehen. 

Hat sich Ada damals von Ihren Bildern beeindrucken lassen?

Wir sind uns oft im Atelier begegnet und haben uns gegenseitig bereichert. Sie hat etwas von mir übernommen und ich habe sie neu interpretiert – es entstanden viele gemeinschaftliche, witzige Sachen. Für mich persönlich war es eine sehr schöne Geschichte.  

Wie geht bei Ihnen die Reise weiter?

Die Reise ist im Moment  in einer Umbruchphase. Für viele heißt Marc Kirschvink „nach Ada“ und es ist sehr schwierig, mit einer Änderung zu kommen. Die letzten Bilder sind sozusagen Zwitterbilder, die wieder mal figurativ sind – nah an der Illustration. Sie sind nicht komplett neu, aber anders. Ich weiß noch nicht, wie lange ich das verfolgen werde. Ich habe jetzt schon Sehnsucht nach der Abstraktion. 

Was hat Sie an der Illustration so gereizt, dass Sie sie als eigenständiges Studienfach gewählt haben?

Die Illustration war eigentlich der Wunsch meiner Eltern. Ich wollte Malerei studieren, aber mein Vater war strikt dagegen, weil er sie als brotlose Kunst betrachtete. Illustration war für ihn dann ein Kompromiss. Nach dem Studium wollte ich so schnell wie möglich von ihr wegkommen. In der Malerei ist man viel freier, da muss man nicht unzählige Stunden  in der Woche sitzen und Skizzen zeichnen. Allerdings habe ich durch das Illustartionsstudium Techniken erlernt, die ich nutzen kann.

Was ist für einen Künstler wichtig, um Erfolg zu haben?

Ich glaube, wenn man erfolgreich sein will – Erfolg wird ja hauptsächlich wirtschaftlich definiert – muss  man produzieren können; man kann nicht nur an einem Bild arbeiten. Der Markt wird es nicht annehmen. Man muss die Möglichkeit haben, fünfzig oder hundert Bilder im Jahr in ähnlichem Stil zu malen. So sehr  möchte ich mich dem Markt aber nicht anpassen. Ich kann nicht immer nur dasselbe malen, selbst wenn es sich gut verkauft. 

Sie fanden eine Nebenbeschäftigung im Kunstbereich mit der Gründung der Kunst-firma a2b in Köln. Welches Ziel hat sie?

Die Kunstfirma dient der Präsentation und Vermarktung künstlerischer Arbeit. Sie besteht aus fünf Leuten mit verschiedenen Kompetenzen, die sich ergänzen – ich übernehme die grafischen und kuratorischen Arbeiten. Die Kunstfirma ist die Initiatorin der Messe für zeitgenössische Kunst art´pu:l, die wir seit vier Jahren mit über 100 ausstellenden Künstlerinnen und Künstlern und mit zunehmender Publikumsresonanz in den historischen Industriehallen des Walzwerks Pulheim veranstalten. Im September, vom 19. bis 21., wird sie das erste Mal auch in Windeck in den ebenfalls historischen Industriehallen von kabelmetal stattfinden.  Mit dem Leitsatz “von Kunstschaffenden für die Kunst” erhebt die Messe den Anspruch, einen
alternativen Zugang zum Kunstmarkt zu
bieten.                                             (dh)