Florentine Schumacher

Florentine SCHUHMACHER
Ich bin ich und damit einzigartig

Stillsitzen ist wirklich nicht ihr Ding. Während des Gesprächs führt sie ein ganzes Repertoire an Gesten vor,  mimt das Erzählte, hält den Blickkontakt aufrecht. Ist witzig, amüsant, selbstsicher,  zieht einen in ihren Bann.

Man begreift schnell, dieses Mädchen hat „das gewisse Etwas“. Der Satz, den Sie nicht selten hört, geht ungefähr so: „Warte ab, du wirst auch noch ruhiger!“ – „Nöö“, sagt sie entschlossen.  Ich glaube ihr sofort. Und ehrlich gesagt wäre es auch schade. Denn genau das ist es, was die Persönlichkeit von Florentine Schumacher ausmacht: Sie lebt das aus, was sie fühlt, und hat keine Scheu, es zu zeigen. Ach ja, da wäre noch etwas. Singen kann sie auch. Und wie!

Wem hast du es zu verdanken, dass du heute so singst, wie du singst?

„Meiner privaten Gesangslehrerin Sandra Isabella Steng. Ich habe mit zwölf angefangen Pop zu singen. Sie hat mir irgendwann gesagt, ich soll damit aufhören, weil es meiner Stimmfarbe nicht entspricht, und hat mich an Musicals herangeführt. Von Anfang an hat sie mir viele Möglichkeiten gegeben aufzutreten und mich weiter zu entwickeln.  Sie ermutigte mich für Rollen beim Jugendtheater Koblenz vorzusingen. So wurde ich unter anderem für die Rolle der „Philia“ in dem Musical  „ Zustände wie im alten Rom“  besetzt.  Dort konnte ich grundlegende Fähigkeiten zum Schauspiel erlernen und mich weiter entwickeln. Zur gleichen Zeit wurde meine Liebe zum klassischen Gesang immer stärker, weil ich da meine Stimme richtig einsetzen konnte. Die Musik war endlich hoch genug, um richtig laute hohe Töne zu singen. 

Was fasziniert dich noch am klassischen Gesang?

Dass er so viele Facetten hat: Wut, Freude, Gelassenheit, Gleichgültigkeit – bei manchen Arien wechseln schon nach drei, vier Takten die Intention, das Thema.  Das, was ich mir erarbeitet habe, ist die Grundlage dafür, dass ich im Konzert frei die Emotionen rüberbringen kann, die ich für richtig halte. Oder die mir in dem Moment kommen. Viele sagen, es ist eine planbare Kunst, man muss auf den Punkt perfekt sein. Ich sage: Und wenn man gerade auf dem Punkt eine andere Eingebung hat, dadurch improvisiert und etwas Neues schafft? 

Bist du nach einem Konzert streng zu dir oder kannst du dich richtig einschätzen?

Wichtig ist positive Kritik. Man darf sich nicht sagen, ich war heute sooo schlecht, sondern: Für den Stand, auf dem ich heute bin, war ich gut. Es gab einige Anteile, die ich besser machen könnte. Negatives bleibt immer hängen – daran erinnert man sich. Ich frage mich nicht, was schlecht war, sondern was ich besser machen kann. Und manchmal darf ich mir nach dem Konzert auch sagen, der hohe Ton war richtig geil! Und am nächsten Tag überlege ich mir dann, was nicht so gut war. 

Du hast vieles leicht erreicht, hast nie viel üben müssen. Ist das vielleicht ein Nachteil?

Klassischer Gesang ist zu 70 bis 80 % harte Arbeit, die man erlernen kann, aber der Rest ist Begabung. Die 20 % zählen mehr als alles andere. Was große Sänger ausmacht ist nicht, dass sie technisch perfekt sind, sondern das, was von ihrer Natur durchkommt. 

Und deine Ziele? 

Ich werde oft nach meinem Plan B gefragt. Ich habe keinen Plan B. Sobald man sich damit beschäftigt, ist man schon auf dem Weg zum Abstieg. Mein Ziel ist, größer als Anna Netrebko zu werden. Ich möchte viel mehr Menschen mit meinem Charakter in die Oper führen, ich möchte mehr Jugendliche dafür begeistern, wie toll Oper ist. Ich will die Königin der Nacht oder die Violetta aus La Traviata werden, das wären meine Traumrollen. Jetzt ist es an der Zeit, es langsam mit kleinen Rollen anzugehen. 

Kann man dich demnächst auch hier bei uns hören?

Ja, beim Westerwälder Opernwerk am 22. November im Kulturwerk Wissen. Die Idee dieser Veranstaltung ist, die Oper in den Westerwald zu bringen für Menschen, die sonst nicht in die Oper gehen. Und seit Mai stehe ich als jüngste Sängerin als Zofe der Konstanze in Mozarts Oper „Die Entführung aus dem Serail“ auf der Bühne der Burgfestspiele in Bad Vilbel. Zu sehen bis zum 7.9.2014.  Vom 4. bis 31.10.2014 werde ich im Stadttheater Koblenz als „Despina“
in der Mozart-Oper „Cosi fan tutte“,
einer Inszenierung des Jugendtheaters, zu sehen sein.

 

Ab 2012 ging es für Florentine musikalisch steil bergauf: Bei „Jugend musiziert“ gewann sie zuerst im Regionalwettbewerb, dann auf Landesebene und schließlich im Bundeswettbewerb den begehrten ersten Preis in der Kategorie Musical. Nach dem Abiturabschluss ein Jahr später war klar, dass die klassische Musik aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken ist. Sie bewarb sich bei der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt a.M. für den Bachelor-Studiengang Gesang und konnte sich gegen 400 Mitbewerber durchsetzen. „Hier an der Schule kann ich mehr der Mensch sein, der ich bin. Und die Sängerin werden, die ich gern sein möchte.“

 

Foto: HIGHLIGHT FOTOSTUDIO

Text: Drahomira Hampl