Erinnerungen an August Sander

von Rolf Gatzmanga aus Windeck

Im Alter von dreizehn Jahren hatte ich den ersten Kontakt zu August Sander. Diesen Kontakt hatte mein Vater in weiser Voraussicht hergestellt, denn meine Berufswahl war die des Fotografen. Nach dieser ersten Kontaktaufnahme durfte ich allein zu August Sander kommen und so marschierte ich an fast jedem Wochenende nach Kuchhausen. In den ersten Wochen hatte ich den Eindruck, dass er mich und meine Besuche als flüchtig und vorübergehend wertete. Doch mein stetes Erscheinen an den Wochenenden muss ihn beeindruckt haben.

Durch meine laufende Berufsausbildung im Fotografenhandwerk konnten wir uns immer besser über berufsspezifische, handwerkliche oder künstlerische Abläufe unterhalten und ich bemerkte auch bei August ein Interesse an meinem Kommen. Bedingt dadurch ging ich nun noch lieber zu ihm. Im Nachhinein sehe ich unsere wöchentlichen Treffen so, dass August schon auf mich wartete und ich mich darauf freute. Wir sprachen nicht nur über unseren Beruf. Ich hatte mich mit meinen jungen Jahren bis dahin noch mit niemandem derart unterhalten können. Ich kann mich erinnern, dass ich manchmal an seinen Lippen hing, um seine Worte aufzusaugen. Viele seiner Worte haben meinen späteren Lebensweg mitbestimmt. August spielte genau wie ich einige Musikinstrumente. So durfte ich ihn auch z.B. mit seiner Laute fotografieren. Unser Verhältnis war im Laufe der Zeit so verwurzelt und gewachsen, dass ich bei ihm fast alle Freiheiten hatte, obwohl ich noch Jugendlicher war. Aufgrund der von mir gemachten Fotos von ihm und seinen Räumlichkeiten erinnere ich mich an Vorkommnisse und Begebenheiten. Wie an seine Bundesverdienstkreuzverleihung im Jahre 1960, wo ich als einziger Fotograf anwesend war und fotografierte. Seine zum Teil sehr bunten Räume, sein Labor, ja eigentlich alles im Hause – ob mit ihm oder ohne ihn – durfte ich fotografieren. Ich hatte bei August das Gefühl der vollständigen Freiheit. Die Zeit mit August Sander war eine gute Zeit. Eine sehr gute Zeit. Nach Abschluss meiner Fotografenlehre 1960 arbeitete ich in der Firma seines Sohnes Gunther in Köln.