Menschen machen Orte

Ute Maria Lerner und ihr Blauer Salon

Bevor der Literarische Salon im 18. Jahrhundert in Deutschland Einzug hielt, entwickelte sich in Frankreich bereits ab 1600 eine lebhafte Salonkultur mit Diskussionen, Lesungen und musikalischen Veranstaltungen.

Gastgeberinnen dieser Soirées waren die so genannten Salonnièren; wohlhabende und gebildete Frauen, oft von adeliger Herkunft.

Sie traten ein für Gleichberechtigung, Völkerverständigung und den Transfer internationalen Kulturguts. Als eine der ersten von ihnen lud die Marquise de Rambouillet zum Blauen Salon in ihren Stadtpalast in der Nähe des Pariser Louvre, wo sich geistig interessierte Hochadelige mit kleinadeligen und bürgerlichen Intellektuellen trafen.

Es war jedoch nicht die berühmte Marquise, die Ute Maria Lerner dazu inspirierte, einen Blauen Salon in ihrem 1924 erbauten Elternhaus in Müschenbach zu eröffnen, sondern das blaue Sofa ihrer Oma. Es stand im Wohnzimmer, das seit jeher ein Ort der Geselligkeit und Kommunikation war. Außer Familie, Verwandtschaft und Freunden trafen sich hier auch gesellschaftlich tätige Personen wie Bürgermeister, Ärzte, Seelsorger oder Lehrer. Ihr Großvater und ihre Mutter bauten die Raiffeisenbank im  Westerwald auf, und bei Großvater und Vater gingen praktisch das ganze Dorf und die umliegenden Dörfer zur Schule. So ergab sich eine familiäre Vernetzung auf fast allen gesellschaftlichen Ebenen. Das elterliche Wohnzimmer mit dem blauen Sofa als Zentrum soll nun wieder zu einem Ort des geselligen Austauschs werden. „Ich setze mit meiner Umsiedelung aus Köln in den Westerwald mein kulturelles Engagement, meine Initiativen und gesellschaftlichen Impulse auf dem Land fort und freue mich, wenn mein Engagement hier von der Kulturpolitik und engagierten Unternehmen unterstützt wird“, erklärt Ute Maria Lerner. „Mit der Reihe ‚ww(w) Blauer Salon‘ möchte ich die Salonkultur wiederbeleben.“ Die Salonkultur, die ihren Ursprung in den europäischen Großstädten hatte, war ein überwiegend weiblich geprägtes, kulturhistorisches Phänomen im Europa des 17. bis 20. Jahrhunderts.

Ute Maria Lerner (Uma) ist seit beinahe 35 Jahren Schauspielerin. Sie war an diversen Bühnen tätig und bisher in mehr als 60 Film- und Fernsehrollen zu sehen. Außerdem ist sie Talkerin, Kulturmanagerin, Autorin und Bewusst-seinsmentorin. Seit 2001 hat sie zahlreiche Projekte mit interkulturellem Focus realisiert. Im März 2012 startete sie ihr Live-Talk-Format „UMA talks“, in dem sie sich einer neuen Bewusstseinskultur widmet. Mit dieser anspruchsvollen Gesprächskultur möchte die gebürtige Hachenburgerin nun auch in der Region Westerwald neue Impulse setzen und  kulturelle und generationenübergreifende Vernetzungen schaffen wie auch einen lebendigen Austausch in einer künstlerisch geprägten Atmosphäre. Der Auffassung Rechnung tragend, dass Menschen Orte machen – und nicht umgekehrt – möchte sie diesen Vernetzungsradius kreieren.

„Ich möchte damit auch in unserer zunehmend virtuell erlebten Welt die direkte Begegnung mit Menschen schaffen: Kultur genießen, ein Glas Wein trinken, ein kleines amuse gueule, sich austauschen und, was eine gute Salonnière können sollte, spannende Menschen zusammenbringen“, sagt sie. „In meinem Elternhaus wertschätze ich das Alte und somit das, was da ist, und belebe es mit meiner Energie neu. Familienenergien gehen nicht verloren, sie transformieren sich höchstens.“ Geplant sind literarisch-musikalische Abende, die „Gespräche ins Blaue“ (die sie im Wechsel mit Mirjam Wiesemann auf dem blauen Sofa moderiert), Seminare und Workshops. Sicher wird sie ab und an auch selbst als Künstlerin auftreten, doch bei dieser neuen Kulturreihe steht, wie sie sagt, ihre Gastgeberschaft im Vordergrund. Der Blaue Salon soll etwa einmal im Monat stattfinden, auf persönliche Einladung der Gastgeberin. (ag)Bevor der Literarische Salon im 18. Jahrhundert in Deutschland Einzug hielt, entwickelte sich in Frankreich bereits ab 1600 eine lebhafte Salonkultur mit Diskussionen, Lesungen und musikalischen Veranstaltungen. Gastgeberinnen dieser Soirées waren die so genannten Salonnièren; wohlhabende und gebildete Frauen, oft von adeliger Herkunft. Sie traten ein für Gleichberechtigung, Völkerverständigung und den Transfer internationalen Kulturguts. Als eine der ersten von ihnen lud die Marquise de Rambouillet zum Blauen Salon in ihren Stadtpalast in der Nähe des Pariser Louvre, wo sich geistig interessierte Hochadelige mit kleinadeligen und bürgerlichen Intellektuellen trafen.

Eröffnet wird der Blaue Salon am 20. März 2016, 15 Uhr, in Müschenbach. Echo Klassik-Preisträgerin, Autorin und Schauspielerin Mirjam Wiesemann liest aus den noch unveröffentlichten Kurzgeschichten von Ute Maria Lerner. Musikalisch begleitet und interpretiert wird sie von dem Saxophonisten und Querflötisten Johannes Leis, der in Frankreich lebt und länderübergreifend arbeitet, z.B. in Berlin mit „17 Hippies“ und derzeit in Köln an einem Duoprogramm mit Schlagzeuger Klaus Mages. 

Der blaue Salon kann für kleine, feine Events angemietet werden, auf Wunsch auch mit künstlerischem Programm und vegetarischem Catering. Auf Anfrage beherbergt die Gastgeberin auch Gäste: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

www.maria-lerner.de, www.umaprojects.de, www.bewusstreisen.com, www.mirjam-wiesemann.de, www.johannesleis.com