Der Hochzeitsfotograf

Andrey Balabasov setzt Brautpaare in Szene

von Antje Görnig

Ist es nicht ein Traum? Eine atemberaubende Kulisse mit Sonnenuntergang, Bergen und glitzerndem Wasser. Mittendrin, einem Scherenschnitt gleich, ein Boot mit Braut und Bräutigam, einander zugewandt, sich an den Händen haltend. Und um den Augenblick perfekt zu machen zieht eine Reihe Vögel durchs Bild. Andrey Balabasov ist der Mann, der solche Träume wahr werden lässt.

Seit 2006 arbeitet er professionell als Hochzeitsfotograf. Der Anfang war nicht leicht. „Vor zehn Jahren war die Hochzeitsfotografie in Deutschland längst nicht so hoch entwickelt wie heute, man konnte eigentlich nicht davon leben“, erinnert er sich. Hochzeitsfotograf war kein Beruf, bloß ein Nebenjob. „Ich will nicht sagen, dass ich als einziger diese Branche verändert habe, aber ich habe meinen Teil dazu beigetragen. Ich habe mir damals das Ziel gesetzt, eine qualitativ hochwertige Hochzeitsfotografie zu entwickeln und zu zeigen, dass Qualität ihren Preis hat.“ So kreierte er einen Stil, durch den seine Hochzeitsfotos nicht nur den engsten Familienkreis begeistern, sondern auch Außenstehende. Sie berühren jeden, der sie betrachtet.

Als Perfektionist inszeniert Andrey Balabasov alles bis ins kleinste Detail. „Meine Fotos müssen voller Glück, Schönheit, Leichtigkeit und Offenheit sein – ein fantastisches Brautkleid, strahlende Haut, hübsche Augen, schöne Posen...“ Die Posen sind in der Tat ein wesentlicher Faktor: Sie wirken eben nicht inszeniert oder unnatürlich, und das beeindruckt. Die Pose des Brautpaars im Boot beispielsweise ist schlicht und undramatisch, doch die innige Zuneigung, die aus ihr spricht, trifft ins Herz.

Die hervorragende Qualität seiner Bilder wird mit Preisen belohnt. Seine wichtigsten Auszeichnungen sind die zwei QEP-Zertifikate der Federation of European Professional Photographers (FEP): Seit 2009 ist er der erste und einzige Fotograf aus Deutschland, der von der FEP das Zertifikat „Qualified European Photographer“ in der Kategorie „Wedding“ erhalten hat. 2014 folgte die Zertifizierung in der Kategorie „Porträt“. Bei den WPPI Awards (Wedding & Portrait Photographers International) in Las Vegas machte er 2012 mit seinem Album den 2. Platz, 2013 den 2. Platz in der Kategorie „Hochzeitsporträt“. Und nun das Sahnehäubchen: Im März 2015 bekam Andrey bei den FEP-Awards im italienischen Triest die FEP EUROPEAN WEDDING GOLDEN CAMERA verliehen. „Damit hatte ich nicht gerechnet! Das war eine große Ehre für mich“, sagt er. „Für die Kunden ist es allerdings nicht so bedeutsam. Die Prämierungen haben keinen Einfluss darauf, ob sie mich buchen.“ Wozu dann der ganze Aufwand? „Die Auszeichnungen spielen eher für mich persönlich eine Rolle. Wie alle Fotografen bin ich auf der Suche nach mir selbst, nach neuen kreativen Ansätzen und Fantasien. Dieses Streben ist mir jedoch nur unter einem gewissen Konkurrenzdruck möglich. Würde man mich zum größten Hochzeitsfotografen aller Zeiten ernennen, läge ich nur noch auf dem Sofa. Stelle ich mich dem Wettbewerb, muss ich wach bleiben. Mich zu messen und voranzukommen ist mir wichtig und unerlässlich für meine Entfaltung.“

Ehrgeiz und Perfektionismus in allen Ehren, doch was macht die Fotos von Andrey Balabasov so besonders, ja geradezu spektakulär? Es sind die Locations. Und der Witz ist, dass er nicht mal nach ihnen suchen muss. „Die meisten Paare, die zu mir kommen, wissen gar nicht, was alles möglich ist. Ich sehe es als meine Aufgabe an, ihnen diese Möglichkeiten aufzuzeigen; anhand meiner Fotos. Ich zwinge ihnen nichts auf, ich überrede nicht. Den größten Dank erhalte ich von meinen Kunden dafür, dass ich ihnen Dinge zeige, an die sie selbst nie gedacht hätten. Wenn sie sich Beispielbilder ausgesucht haben, die ihnen gefallen, frage ich sie, ob sie vielleicht einen schönen Ort kennen, wo sie gern abgelichtet werden würden, oder bitte sie, sich nach einer interessanten Location umzuschauen: im Urlaub, in der heimischen Umgebung, in Museen, in modernen Industriegebieten, schönen Hotels etc. Das bringt sie häufig auf die erstaunlichsten Ideen und führt mich mitunter an Orte, zu denen ich ohne sie keinen Zugang hätte. Nachdem die Kunden entschieden haben, was und wo und wie fotografiert wird, planen wir einen Fototermin nach der Trauung. Dann haben sie Zeit und sind nicht so nervös wie am Hochzeitstag, an dem wir nur die üblichen Fotos mit Familie und Gästen machen.“ Überzeugungsarbeit muss er wirklich nicht leisten: Seit er eine Braut mit ihrem Hochzeitskleid im Wasser in sein Portfolio genommen hat, fragen viele Kundinnen, ob sie zu den „normalen“ Fotos auch ein solches Wasser-Foto haben können.

Wir haben also eine perfekte Location und ein perfekt inszeniertes Paar – was fehlt noch zur Vollendung eines stimmungsvollen Gesamtkunstwerks? Genau, das perfekte Licht. „Der Umgang mit dem Licht war mir von Anfang an sehr wichtig. Ich wollte mich in erster Linie lichttechnisch von den Amateuren unterscheiden“, erklärt Andrey. Die Arbeit mit Blitzgeräten und Schirmen gestaltete sich jedoch schwierig: „Der Assistent wirft mit dem Riesenschirm ständig etwas um, ich inszeniere, blitze, die Schatten gefallen mir nicht, wir positionieren um, wieder schlechte Schatten...“ Alles änderte sich, als er das Dauerlicht und seine Vorzüge kennen lernte. „Es schädigt nicht den Hintergrund und das vorhandene, oft sehr schöne Licht, das ein Blitz einfach nur abtötet. Außerdem sehen mein Assistent und ich von Anfang an die Schattenzeichnung. Testaufnahmen entfallen, manchmal sitzt sogar gleich die erste Aufnahme. Und drittens habe ich bei Spot-Dauerlichtleuchten die Möglichkeit der Fokussierung.“

Die Technik ist das eine, aber ohne Gefühl kann man solche Fotos sicherlich nicht machen. Andrey Balabasov hat ein feines Gespür für seine Kunden. Er hat ein Auge für das perfekte Motiv. Und vermutlich steckt in dem kreativen Selfmademan auch ein Romantiker. Der Unermüdliche hat große Pläne für dieses Jahr: Nachdem er zehn Jahre lang Fotograf ohne Studio war, will er nun eins in Eitorf aufmachen – nicht nur für Hochzeits-, sondern auch Familien- und Porträtfotos. Mehr über Andrey Balabasov, seine Fotoreisen und Workshops auf www.balabasov.com