Wo die Natur das Sagen hat

Wo die Natur das Sagen hat

gelbe Blumen
Für die beiden Floristen Karlheinz Meis und Fritz Mair hat sich vor neun Jahren ein Traum erfüllt, als sie im malerischen Nistertal im Westerwald ein altes Bauernhaus mit Fachwerk aus dem Jahr 1837 mit einem 1.500 m2 großen, verwilderten Stück Land kauften.

Sie kehrten ihrem bisherigen hektischen Geschäftsleben im bayerischen Bad Tölz für immer den Rücken und verwandelten die Wildnis nach und nach mit sehr viel Eigeneinsatz in einen ökologisch wertvollen Garten, in dem Mensch und Tier im Einklang mit der Natur leben.

Karlheinz: „Wir wollten einen naturnahen Garten haben, der sich in die Landschaft eingliedert – da passte kein Barockgarten; es musste ein Bauerngarten sein mit einem Nutzgarten wie früher, von dem sich die Leute ernährten, wo ganz einfache Strukturen waren, um Gemüse und Kartoffeln zu ziehen, und wo ein paar Blumen rundherum geduldet wurden. Als Floristen sind wir Blumenfans, für uns – insbesondere für Fritz – ist es wichtig, dass ein Großteil des Gartens mit Blumen und Sträuchern gestaltet ist. Für mich als leidenschaftlichen Hobbykoch ist der Gemüsegarten entscheidend. Es war schon immer mein Wunsch, mich vom eigenen Gemüsegarten ernähren zu können, und was Gemüse und Kartoffeln angeht, funktioniert es für das ganze Jahr mit der Eigenversorgung.“

Und was wäre ein Bauerngarten ohne Haustiere: Hühner, Enten und Gänse bewohnen den unteren Teil des Gartens mit einem kleinen Teich und versorgen die Gärtner mit Eiern. „Die Tiere sind auch wichtig für die Seele“, erklärt Fritz, der sie täglich verpflegt. Dazu gehört eine Wiese mit alten Obstbäumen, die reichlich tragen und unter denen man sich zum Ausruhen niederlassen kann.

AUF DIE NATUR HÖREN

Karlheinz: „Das Wichtigste im Garten ist das, was die Natur vorgibt. Wir hören auf sie, wir beobachten sie und wir lernen von ihr. Aber was ist eigentlich Natur? Es sind die Gegebenheiten von Klima und Boden und den Pflanzen, die auf ebendiesem Boden in genau diesem Klima gedeihen – das beachten viele Leute leider nicht. Die Natur wirkt und lebt und wir sind nur die Gestalter...“ In der Tat, die beiden sind große Gestalter! Denn inmitten der atemberaubenden Farbenpracht der vielen Blumen, Kräuter, Wildkräuter, Heilpflanzen, Sträucher und Gemüse sind auf fantasievolle Art alle möglichen ausrangierten Gartenmöbel, Gefäße oder Bauelemente verteilt, die Karlheinz sammelt und denen er im Garten eine neue Bestimmung zuweist. Es gibt kaum etwas, was seinen künstlerischen Sinn nicht anspricht, womit er nicht spielt. Seine scheinbar zufällig verteilten Kreationen gliedern sich unaufdringlich mit leisem Witz in das Gartenbild ein und machen es zu einer sich stets wandelnden Dauerausstellung.

DIE BLUMENWERKSTATT

So heißt der Fachbetrieb der innovativen Floristen, den sie in Thal gegründet haben. Beauftragt werden sie gern von Menschen, die etwas Spezielles für Feste, Hochzeiten oder Konfirmationen haben wollen oder bei der Gartengestaltung Hilfe suchen. Gleichzeitig fahren Karlheinz und Fritz mehrmals im Jahr nach Paris, Mailand oder Madrid, um ausgefallene Arrangements für Messepräsentationen eines internationalen Kunden zu kreieren. Ihr Kredo ist, mit wenig Mitteln große Effekte zu schaffen. Das erfordert viel Fantasie, aber daran mangelt es den beiden wahrlich nicht. (dh)