Ketten - Betrachtungen eines Aurifex

Goldschmiede SommerHandgeschmiedete Ketten sind heute noch genauso faszinierend wie vor Jahrtausenden. Erste Silberkettenfunde datieren bereits aus der Zeit um 5000 v. Chr. Früher war Silber allerdings viel wertvoller, was zum einen an der Verfügbarkeit und zum anderen am jeweiligen Kulturkreis lag.

Gestaltung und Fertigungstechnik haben sich auch bei der Kette (lat. „Catena“, altdt. „Ketina“) gegenseitig beeinflusst und so ist es interessant, wann welche Technik aufkam. Erste Belege für Schiffsankerketten gibt es aus der Zeit 1400-800 v. Chr. aus dem assyrischen Raum. Ältere Hinweise finden sich in der griechischen Mythologie: Hephaistos, der Gott der Schmiedekunst, schmiedete die Ketten für Prometheus.

Am Beispiel der Ankerkette lässt sich hervorragend die Entwicklung aufzeigen. Ausgehend von der einfachen Ankerkette entstanden mit der Zeit viele neuer Typen und Varianten: Werden die Glieder nicht direkt ineinandergehängt wie bei der Ankerkette, sondern jeweils in das vorletzte Glied, entsteht eine Kordelkette. Etwas ganz anderes kommt zustande, wenn die Kette stark nach links geschlagen wird: Das Resultat ist eine Doppelpanzerkette. Wie wichtig kleinste Details beim Kettenschmieden sind, ist hier gut zu sehen: Werden nämlich die Ösen für diese Kette erstellt, indem sie nach links gebogen wurden, ist der Arbeitsablauf wie beschrieben. Wurden sie nach rechts gebogen, muss man, um das jeweilige Muster zu bekommen, andersherum umschlagen. Wird die Doppelankerkette nun nach rechts verdreht, entsteht ein gleichlaufendes Zopfmuster. Schlägt man abwechselnd ein Glied nach rechts und eins nach links, erhält man die klassische Zopfkette.

Die hier beschriebenen Ketten sind aus einer Grundfertigung, aber so unterschiedlich in ihrem Aussehen, dass der Betrachter niemals den gleichen Grundaufbau vermuten würde. Kommen nun noch unterschiedliche Materialien, Profile, Farben oder Querschnittsveränderungen usw. dazu, entstehen immer neue reizvolle Ketten.

Angesichts der großen Zahl unterschiedlicher Kettentypen ist es nicht verwunderlich, dass es früher einen eigenen Ausbildungsberuf dafür gab; den des Kettengoldschmieds. Leider beherrschen mittlerweile nur noch wenige Goldschmiede diese Kunst.

Versteht man sich jedoch auf die alten Techniken, kann man stetig neue Ketten entwickeln. So entstanden in den letzten zwanzig Jahren in der Goldschmiede Sommer neben vielen Klassikern auch große Ketten aus reinem Gold mit Platinschließen, schlicht-elegante „Autumn Leaves“-Ketten, Millefiori-Ketten und viele individualisierte Ketten, die allesamt eine ganz eigene Ausstrahlung haben.

Text und Bilder: Norbert Sommer