Hachenburg wird 700!

HachenburgDass Hachenburg im Jahr 1314 von König Ludwig dem Bayern die Stadtrechte verliehen bekam, war im Grunde längst überfällig gewesen: Schon um 1180 hatte man mit dem Bau einer Burg auf dem Hagenberg als Grenzbefestigung des Sayn’schen Hoheitsgebiets begonnen, und Anfang des 13. Jh. verfügte das bereits seit 1253 als „Civitas“ bezeichnete Hachenburg über eine Stadtmauer, deren Tor und Türme auf dem ältesten Stadtsiegel von 1292 abgebildet sind.

Der Ort gelangte zur wirtschaftlichen Blüte, wurde bekannt für die Herstellung von Armbrüsten und es entstand ein streng geregeltes Zunftwesen. 

Nach dem Einläuten der Reformation 1517 durch Martin Luther blieben die regierenden Grafen bei ihrem katholischen Glauben. Doch Graf Adolf von Sayn führte gleich nach seinem Amtsantritt 1560 den lutherischen Glauben ein, Graf Wilhelm 1605 den calvinistisch reformierten Glauben. Trotz einiger Differenzen lebten zunächst Protestanten, Reformierte und eine kleine Gruppe Katholiken relativ friedlich zusammen, bis 1618 aufgrund zunehmender konfessioneller Konflikte in ganz Europa der Dreißigjährige Krieg ausbrach. Eine grauenhafte Zeit für Hachenburg: Belagerungen, Plünderungen, Raub und Vergewaltigung, Ratten, Pest und rote Ruhr. Obendrein wurde der Ort 1654 von einem großen Feuer zerstört, nicht dem einzigen in seiner langen Geschichte. 

Weil die Bevölkerung Hachenburgs nach Kriegsende stark dezimiert war, wurden Familien aus dem Kurkölner Raum in der Region angesiedelt. Von 1719 an ließ Graf Kirchberg die Stadt wieder aufbauen und auf den Grundfesten der abgebrannten mittelalterlichen Burg ein barockes Schloss errichten.

Die Kriege des 18. Jh. waren für Hachenburg vor allem mit großen wirtschaftlichen Einbußen verbunden. Häufig kam es zu Truppendurchmärschen und Besetzungen. Im Zuge der französischen Revolutionskriege beispielsweise wurde die Stadt 1796 brutal ausgeplündert.

1799 fiel Hachenburg an das Herzogtum Nassau, und aus der ehemaligen blühenden Residenzstadt wurde ein stiller Provinzort. Die Wirtschaft stagnierte, es kam sogar zu einer Hungersnot. 1866 wurde Hachenburg dann Teil des Königreichs Preußen. Im Ersten Weltkrieg meldeten sich viele Hachenburger Männer freiwillig zur Front und die von langer Hand geplante 600-Jahrfeier 1914 musste ausfallen.

Von größeren Schäden blieb die Stadt in beiden Weltkriegen verschont, doch auch in Hachenburg trieb ab 1933 der Nationalsozialismus sein furchtbares Unwesen: Jüdische Mitbürger, die hier seit dem 15. Jh. ansässig waren, wurden schikaniert, gedemütigt und vertrieben. 1940 hatten schließlich alle Juden die Stadt verlassen; viele von ihnen kamen im KZ um. 

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte Hachenburg erneut einen Aufschwung und entwickelte sich zu einer florierenden Einkaufsstadt mit Flair, in der inzwischen Menschen aus fast 50 Ländern zu Hause sind.

Und nun, im Jahr 2014, feiert die „Kulturhauptstadt des Westerwalds“
ihr 700-jähriges Jubiläum mit einer Fülle von Veranstaltungen wie z.B. der Eröffnung des Kultursommers Rheinland-Pfalz
(9.-11. Mai). Begleitet wird das umfangreiche Programm von der Daueraus-stellung „Hachenburg – Streifzüge durch 700 Jahre Stadtgeschichte“ und dem einzigartigen Kinofilm „Hagenberg – Die Geschichte der Stadt Hachenburg“.

(ag)