Anni Schumacher

mit den Jahren immer fitter

Leistungssport hat Anni Schumacher schon in der Schule getrieben, bis sie eines Tages von ihrem Trainer in den Kraftraum geschickt wurde. Damals gab es hier noch keine Studios, also reiste sie nach Hennef, wo sie die einzige Frau war, noch dazu gerade mal 18. Aber weil ihr das Fitnesstraining viel Freude bereitete, eröffnete sie ein Fitnessstudio, das sie dann 17 Jahre führte. In dieser Zeit kam der Besitzer eines Kölner Studios mit der Frage auf sie zu, ob sie es nicht in der Frauen-Fitnessklasse versuchen wolle, die damals ganz neu war.

Anni sagte ja und machte bei zwei kleinen Meisterschaften mit. Danach kam der Verbandspräsident: Es gebe ein Ausfall in der Fitnessklasse, ob sie nicht mit nach Bologna zur Miss Universum fahren wolle. Sie wollte und wurde Dritte. Zwei Wochen später gewann sie die Deutsche Meisterschaft und im folgenden Jahr die Europameisterschaft. Zwischendurch meldete sie sich spontan mit einem Kollegen als Paar an; sie übten auf einem Parkplatz das Posing ein und gewannen ebenfalls. Das war 1991.
Frau Schumacher, danach standen Ihnen sicherlich alle Türen offen, oder? Ja. Danach gab es die ersten Profiwettkämpfe mit Preisgeldern. Da habe ich Miss International Fitness auch noch gewonnen. Aber dann habe ich aufgehört, weil es nicht leicht war, die zwei Jahre mit den obligatorischen Diäten und bei vollem Arbeitseinsatz im eigenen Studio durchzustehen. Ich habe mir gesagt, besser oben aufhören als unten. Was haben Sie dann gemacht? Ich ging in den Kursbereich, bin 1999 in die Les Mills-Kurse eingestiegen und bis heute dabei geblieben. Die besten der internationalen LM-Trainer sind über 40; es sind also die erfahrenen und nicht die jungen. Less Mills entwickelte die so genannten BodyTrainingSystems, das sind geprüfte Programme, die Studios kaufen können, in denen ausgebildete Trainer unterrichten. Meiner Meinung nach ist es das Beste, was man heute im Fitnessbereich anbieten kann. Mittlerweile werden die Trainer immer älter und ziehen als Vorbilder junge Leute an. Mike McSweeney aus Neuseeland zum Beispiel unterrichtet mit 66 immer noch und ist superfit. Hat sich im Vergleich zu früher bei den Besuchern der Fitnessstudios etwas geändert? Früher sind Leute mit 60 nicht mehr ins Studio gegangen, das ist heute anders. Heute schaffen 80-Jährige fünf Minuten Kniebeugen mit einem Gewicht auf dem Rücken. Ist so etwas noch gesund? Natürlich, sie sind gut trainiert. Es ist ein Kraftausdauertraining, das gut gegen Osteoporose ist; die Muskelmasse bleibt erhalten. Diejenigen, die nicht gern an Geräten trainieren, gehen in die Gruppe und machen Training mit Musik. Ich als Personaltrainer kann jeden einzelnen im Blick behalten und korrigieren—und die Gruppe zieht einen mit. Viele junge Leute, die zum ersten Mal dabei sind, halten den Kurs nicht bis zum Ende durch. Die trainierten Älteren sind ihnen zunächst überlegen. Gehört der Besuch eines Fitnessstudios heute bei den jungen Leuten zum Trend? Würde ich nicht sagen. Die Jungen machen gern Cross-Fit, die Älteren achten mehr auf Gesundheit und Rücken und wollen sich fit halten. Ist es sinnvoll, auf dem Laufband zu trainieren, wenn man hier überall draußen laufen kann? Muss man wirklich ins Fitnessstudio gehen? Nein, ich würde das Laufen draußen bevorzugen. Es ist schöner, die Sauerstoffzufuhr ist ganz anders und auch die Trittfolge – der Körper balanciert auf dem Waldboden natürlich anders als auf dem Laufband. Allerdings ist das Studio für die Wintermonate durchaus zu empfehlen: Draußen ist es früh dunkel und ungemütlich und die Rutschgefahr ist größer. Eigentlich kann man alles mit einem Gewicht zu Hause machen, aber für viele ist es gut und wichtig, Anleitung zu haben. Und im Studio ist man disziplinierter, hat feste Zeitpunkte. Auch der gesellschaftliche Aspekt ist nicht zu unterschätzen: Man kennt sich, man trifft sich, das Training macht mehr Spaß. Man kommt vom Alltag weg. Das alles trägt zum Wohlfühlen bei. Fühlen Sie sich jetzt genauso fit wie früher? Ich würde sagen fitter. Früher habe ich mehr Krafttraining gemacht, jetzt ist es eher Ausdauer, dadurch hält man länger durch, der Körper ist anders durchtrainiert. Gibt es keine Altersgrenze im Fitness-studio? Nein, ganz im Gegenteil. Gerade ältere Menschen profitieren davon, wenn sie etwas für sich machen. Das Training ist gut für die Muskeln, für Herz-Kreislauf und bei Blutdruckproblemen. Manche fühlen sich schon besser, wenn sie die Sportklamotten anziehen. (dh) www.fitdrei.de