Klaus Lenz


Klaus Lenz – Handwerk als Passion

Klaus Lenz restauriert historische Türen. Dabei geht er mit so viel Leidenschaft und Präzision ans Werk, als hätte er nie etwas anderes getan. Doch bevor er in den Siebzigern in die Restaurierungsbranche einstieg, führte er ein ganz anderes Leben: Lenz, der schon in Kindertagen Trompete spielte, ist eine Jazzlegende. Der studierte, international erfolgreiche Musiker war Bandleader, spielte mit unterschiedlichen Formationen zahlreiche LPs ein und komponierte Film- und Theatermusiken. Kurz gesagt hat er in der DDR Musikgeschichte geschrieben.

 

Herr Lenz, warum haben Sie mit der Musik aufgehört, als Sie in den Westen kamen?

Ich habe hier zwar in den ersten Jahren versucht, weiter Musik zu machen, aber die Qualität, die wir in der DDR hatten, habe ich hier nicht gefunden. Wir hatten in Münchenberg einen großen Bauernhof. Aus der Scheune haben wir einen richtigen Konzertsaal mit Bühne und allem Drum und Dran gemacht, da haben wir geprobt, und jeder hatte dort sein Zimmer – so etwas habe ich hier nie wieder erlebt.  Das war mein erstes Leben.

Und dann haben Sie noch einmal ganz neu angefangen?

1978 habe ich als Restaurator begonnen. Ich gehöre Gott sei Dank zu den Menschen, die etwas, das sie sich einmal angeschaut haben, ihr Leben lang nicht vergessen. Ich hatte einen Freund, der ein guter Zimmermannsmeister war,  und der hat mir viel beigebracht. So konnte ich vor mehr als dreißig Jahren eine Firma gründen. 

Die Restaurierung von Burg Mauel war bestimmt Ihr größtes Projekt.

Allerdings. Als ich die Burg 1991 mit meinem Schwiegersohn gekauft habe, war sie eine absolute Ruine. Man konnte aus dem Keller bis in die Dachsparren schauen. Es hat uns beiden großen Spaß gemacht, sie zu restaurieren. Wegen der Burg bin ich eigentlich nach Windeck gekommen. Vorher haben wir im Gebiet um Siegburg herum alte Häuser wieder aufgebaut und restauriert, zum Beispiel das älteste Haus in Troisdorf. Dadurch bekam ich gute Referenzen vom Denkmalamt. 

War es nicht ein unglaublicher Kraftakt, aus einer Ruine ein solches Schmuckstück zu machen?

Nun, zuerst haben wir den ganzen Keller restauriert – das allein hat schon so viel gekostet wie ein Einfamilienhaus. Aus den drei Gewölbekellern wurde das Restaurant, also mussten auch Toiletten und eine Küche eingerichtet werden. 

Feuchtigkeit ist in alten Bauten wie diesen übrigens kein Problem, denn früher wurde eine dicke Tonschicht in die Mauern eingebaut. Ton wird so hart wie Porzellan und irgendwann gibt es keine Kapillarwirkung mehr und das Wasser kann nicht mehr aufsteigen. Außerdem sind die Wände unten zum Teil zwei Meter dick – so eine Isolierung kann man heutzutage gar nicht mehr machen. 

Die Burg steht im Prinzip durch ihr Eigengewicht; die Steine wurden teilweise nur aufeinandergelegt, mit etwas Kalk dazwischen, weil sie so perfekt zugehauen sind, dass sie sich durch den ungeheuren Druck nicht verschieben können. Obendrauf kamen die riesigen Dachstühle aus Eichenbalken, die auch noch etwas wiegen. Es war harte Arbeit, aber es hat Spaß gemacht. 

Die wunderschönen Fachwerkhäuser hinter der Burg haben Sie auch restauriert?

Richtig, wobei ich einige woanders (in Eitorf, Neukirchen, Kommern, Hoffnungsthal) gekauft und abgebaut und hier wieder neu aufgebaut habe. Das ist wie ein Puzzle: Die Wände waren früher nummeriert, damit man sie auseinandernehmen, mit dem Pferdewagen transportieren und wieder aufbauen konnte. Es war ein übliches Verfahren, mit Haus und Scheune weiterzuziehen, wenn ein Acker nicht mehr ertragreich war. Die Wände waren nicht verschraubt, nur mit Holznägeln zusammengehalten. Die zog man heraus und fertig.

Warum sind die Häuser alle so farbig? 

Weil es früher so war. Das Interesse an Farben ist leider untergegangen. Die mittelalterlichen Städte wie Rothenburg, die waren knallbunt. Ochsenblutrot ist zum Beispiel ein typischer Rot-Ton von früher. 

Inzwischen haben Sie sich ganz der Restaurierung historischer Türen verschrieben.  Was ist das Besondere daran?

Ich mache nur antike Türen, keine neuen Türen. Eine neue, nachgebaute Tür in einem alten Haus erkenne ich sofort, weil die Proportionen oft nicht stimmen. Die kriegen es heute nicht mehr so hin wie früher, die haben auch nicht die Zeit dafür. 

Die historischen Türen in unserem Lager restaurieren wir nur auf Bestellung. Wir arbeiten ausschließlich mit Originalen aus der jeweiligen Zeit: Barock, Biedermeier, Gründerzeit, Jugendstil und Art Déco. Alle Türen, die wir restaurieren, sind Unikate. Handgefertigte Einzelstücke also, von denen keines dem anderen gleicht. 

Ihre restaurierten Türen sehen wirklich prächtig aus, aber können sie in Sachen Sicherheit und Wärmedämmung mit modernen Haustüren mithalten?

Auch wenn wir größten Wert auf die Erhaltung von Altem legen, werden bei uns moderne Sicherheits- und Energiestandards nicht vernachlässigt. Die restaurierten Türen verfügen über Dreifachverriegelung, zu dünne Türen werden verstärkt und Türfenster mit Sicherheitsglas versehen. In alle Haustüren bauen wir einen „Kältefeind“ ein und Schlösser und Beschläge entsprechen den heutigen Sicherheitsanforderungen.  

Und das alles ohne Einbußen bei der Ästhetik. Wie schaffen Sie das?

Früher mussten Schreiner auch Stilkunde lernen. Fragen Sie heute mal einen Schreiner danach! In unserer Branche muss man jedoch einen Blick dafür haben und sofort erkennen, aus welcher Epoche eine Tür stammt. Da muss dann auch der entsprechende Beschlag drauf. Es muss alles bis ins kleinste Detail stimmen. Wenn der Beschlag nicht stimmt, stimmt die ganze Tür nicht.

Sie sind jetzt 76, Herr Lenz, aber von Ruhestand kann bei Ihnen keine Rede sein, oder?

„Warum sollte ich aufhören, etwas zu tun, das mir Freude bereitet? Die Leute haben Vertrauen in mich. Und wenn die Kunden zufrieden sind, macht mir die Arbeit Spaß. So muss es sein! Wir haben viel zu tun.“ 

www.historische-tueren-windeck.de

www.burg-mauel.de