horbacher mühle


HORBACHER MÜHLE

Backen wie zu Omas Zeiten

Auf der Bröltalstraße Richtung Hennef, kurz nach Burg Herrnstein, muss man gut aufpassen, damit man die Abbiegung nach rechts auf den recht schmalen Horbacher Weg nicht verfehlt. Trotz aufkommender Zweifel, ob man das richtige Ziel ansteuert, verfolgt man einfach die zwei Kilometer lange Straße durch den Wald, bis plötzlich das Örtchen Oberhorbach auftaucht.

Da steht sie seit 1841, die Horbacher Mühle, die seit 110 Jahren und in der vierten Generation im Besitz von Familie Dobelke ist. Müllermeister Paul-Heinz Dobelke ist mit seinen 75 Jahren der Älteste und noch täglich voll im Einsatz. Die alten Mahlmaschinen aus Gussstahl, die sein Vater 1936 bestellte, aber erst zehn Jahre später geliefert bekam – weil seinerzeit der gesamte Stahl zur Waffenherstellung verwendet wurde – , sind alle in Betrieb und vermahlen das Korn in zwölf Mahlgängen im sogenannten schonenden Kurzhochmahlverfahren. Dabei entsteht nur wenig Reibung zwischen den Walzen, was auch wenig Wärme bedeutet. Das Resultat ist ein starkes Mehl mit wertvollen Inhaltsstoffen. Das merkt man gerade beim Hefeteig sofort; er geht hervorragend auf und ist nachher innen schön locker. „Von den Backeigenschaften her ist handelsübliches Mehl nicht mit unserem Mehl vergleichbar“, erklärt uns Betriebsleiterin Dörte Sünberg. „Es lohnt sich, unser Mehl auszuprobieren.“ Die drei Müller (Vater und zwei Söhne) vermahlen Weizen, Dinkel,laden horbacher mühle Roggen und Emmer. Aus diesen vier Mehlen mischen sie verschiedene Backmischungen vom feinen Auszugsmehl bis zum Vollkornmehl. Verarbeitet werden nur naturbelassene Körner in kleinen Mengen ohne Zugabe von Enzymen, Farb- oder Konservierungsstoffen. Die Qualität überzeugt die Kunden. Und die kommen inzwischen von weit her. „Zu uns kommen sogar Leute aus dem benachbarten Ausland“, erzählt uns Antje Ritter strahlend, die neben dem Verkauf auch den Versand bedient. „Ein älteres Ehepaar kommt extra wegen unseres Mehls regelmäßig aus Belgien hierher. Und erfreut sich nebenbei zu jeder Jahreszeit an der herrlichen Natur.“ Das Schöne an der Begegnung mit den Beschäftigten der Horbacher Mühle ist ihre sichtliche Begeisterung, wenn sie über ihre Arbeit sprechen. „Wir probieren immer wieder etwas Neues aus. Gerade haben wir von einem Landwirt bei Euskirchen Amaranth bekommen, den er selbst anbaut. Er wächst in Südamerika in hohen Lagen, ist also relativ unempfindlich, und wir versuchen daraus Mehl zu machen. Wir haben jetzt auch die Urgetreidesorten Emmer und Einkorn – eine sehr spannende Sache. Neuanfang Dabei sah die Zukunft noch vor acht Jahren keineswegs rosig aus. Familie Dobelke stand vor der Entscheidung, aufzugeben oder weiterzumachen. Sie beschloss, es noch einmal mit neuen Strategien zu versuchen. Mit dem Onlineshop wurde der Bekanntheitsgrad der Mühle erhöht. Das Mehlsortiment wurde für diejenigen erweitert, die selbst gern backen, und für die, bei denen es schnell gehen muss, wurden weitere Backmischungen entwickelt. Zusätzlich wurden sorgfältig ausgesuchte Produkte rund ums Backen in das Sortiment aufgenommen, die überwiegend aus der Region kommen und von den Dobelkes getestet wurden. Der allgemeine Trend zum Selbermachen kam genau zur richtigen Zeit und brachte viele neuen Kunden: aus Norwegen, Finnland, Frankreich, Thailand, der Schweiz und den USA – von überall, wo es begeisterte Fans gibt, die deutsches Brot haben wollen. Außerdem gibt es einige Bäckereien, die mit Horbacher Mehl backen, wie z.B. die Bäckerei Gießelmann in Bergneustadt. Das Mühlenlädchen Beim Betreten des Ladens hört man als Erstes das Rattern der Mahlmaschinen und der riesigen Siebmaschine im benachbarten Raum, wo die Mehle einzeln oder gemischt per Hand in Kraftpapiertüten abgefüllt, zugenäht und etikettiert werden. In dem Lädchen bekommt man neben den verschiedenen 100 % naturbelassenen Mehlen alles, was auch online angeboten wird: Backhilfsmittel, Backzubehör, Aufstriche, Öle, Nudeln, Reis usw., dazu jede Menge Back- und Kochbücher. Man kann sich sogar eine ganz persönliche Backmischung abfüllen und nach eigenem Wunsch benennen lassen. Eine schöne Geschenkidee nicht nur für die bevorstehende Weihnachtszeit. Es muss doch ein befriedigendes Gefühl sein, so ein klassisches Grundnahrungsmittel wie Mehl fast wie zu alten Zeiten herzustellen? „Auf jeden Fall“, bestätigt uns Dörte Sünberg. „Vor allem bekommen wir direkt Rückmeldung von den Kunden. So macht auch die alltägliche Arbeit Spaß, es füllt einen aus – und das ist das Wichtigste.“

Adresse:
Oberhorbacher Str. 25,
53819 Neunkirchen-Seelscheid

Öffnungszeiten:
Mo-Fr 8:30 - 18:30 Uhr, Sa 8:30 - 13:00 Uhr

www.horbacher-muehle.de