Douliou douliou saint-tropez

St-tropez Hafen abemd

„Jolie, jolie Saint-Tropez“, habe ich den Titel des Songs damals verstanden, als ich „Der Gendarm von St. Tropez“ zum ersten Mal im Fernsehen sah.

Und ich wusste gleich: So müssen Ferien sein! Der blaue Himmel, Strand und Meer, die Partys und nicht zuletzt die Nudisten erschütterten mein junges Leben hinter dem
 Eisernen Vorhang zutiefst. Seit der Zeit war für mich klar: Saint-Tropez, da muss ich unbedingt hin. Der Film ist mittlerweile 50 Jahre alt und Louis de Funès wäre dieses Jahr 100 geworden und ich, ich habe es endlich geschafft! Ich fahre nach Saint-Tropez! 

Jetzt nur noch von der Autobahn runter und durch die Korkeichenwälder auf den engen Straßen hinab zum Meer. Dann kommt das kleine Örtchen Grimaud mit seiner Burgruine auf dem Hügel und danach weitet sich schon der Blick und vor uns liegen das Meer, die weißen Jachten, der blaue Himmel und ein Schild: Saint-Tropez 7 km. Da war mir allerdings noch nicht bewusst, wie lang sieben Kilometer sein können, besonders vor Saint-Tropez, im Sommer, zur falschen Tageszeit. Nach knapp zwei Stunden sind wir endlich da. Die Ferien können beginnen.

Es wäre wohl der Traum eines jeden Bürgermeisters, aus einem Dorf mit nicht mal 7000 Bewohnern einen weltberühmten Ort zu schaffen, wo sich die Reichen und Berühmten treffen und wo jährlich fünf Millionen Touristen Urlaub machen. Was ist das Besondere, das die Massen so anzieht?

Das Fischerdorf an der Côte d‘Azur wurde Ende des 19. Jahrhunderts bekannt, als Künstler wie Paul Signac oder Pierre Bonnard hier das besondere Licht und die Farben der Provence entdeckten und die Malerei des Pointilismus und Fauvismus entwickelten. Es wurde zum Geheimtipp für viele Künstler, die später dort wohnten und arbeiteten. Der eigentliche Aufschwung begann aber erst in den 1950er Jahren, als der Ort von der Filmindustrie entdeckt wurde. Der Film „Und immer lockt die Frau“ von Roger Vadim mit Brigitte Bardot in der Hauptrolle war der Anfang der beispielhaften Karriere der Bardot und gleichzeitig auch der von St. Tropez. Über Nacht wurde aus einem unscheinbaren Städtchen ein Treffpunkt von Künstlern und Angehörigen der High Society. Und richtig lustig wurde es, als der kleine cholerische Gendarm in die Stadt kam. Der, der die Nudisten auf der Leinwand jagte und immer mehr echte anlockte. Seitdem ist St. Tropez die Stadt der Playboys, der Sünde und vor allem der Reichen. Im Hafen präsentieren die Wohlhabenden ihre Jachten und Horden von Gaffern schauen zu, wie die Auserwählten ihren Champagner schlürfen. Da wird vor einer Jacht eine Bühne aufgebaut, auf der abends eine private Vorstellung gegeben wird. Frische, gut gewachsene Mädchen mit starkem russischem Akzent werden zur Party gebracht. Es ist der Mix aus Exhibitionisten und Voyeuren, von dem die Stadt lebt. 

Ein wenig abseits sitzen junge Leute auf der Hafenmauer und beobachten den Sonnenuntergang. Ein Musiker hat sein Piano hergeschleppt und spielt, dann kommt eine junge Dame und singt eine Opernarie dazu. Am Wasser spielen Kinder. Auch das ist St. Tropez, hier findet jeder seinen Platz.

Bis heute ist St. Tropez ein kleiner Ort geblieben, der nichts von seinem Charme verloren hat. Man kann stundenlang durch die engen Gässchen flanieren und hier und da kleine Entdeckungen machen. Man genießt die etwas gemächlichere französische Lebensart, sitzt in Cafés, schaut sich in den Boutiquen um. Ein besonderes Highlight ist der provenzalische Markt auf der Place des Lices. Hier kann man alles kaufen, von Fischen bis Statuen. Es duftet und stinkt gleichzeitig – es lebt einfach. Man drängt sich von einem Stand zum nächsten und findet viel mehr, als die Urlaubskasse erlaubt. So erwirbt man am Ende eine Kleinigkeit als Erinnerung an diesen wunderbaren Ort.

Wem es in St. Tropez zu hektisch ist und wer keine Lust hat, sich an überfüllten Stränden zu sonnen, der kann zahlreiche Ausflüge in die Umgebung unternehmen. Lohnenswert ist ein Besuch des kleinen Ortes Ramatuelle. Von hier hat man einen wunderbaren Rundumblick auf die Halbinsel. Es ist ein ruhiger Flecken, kleine verwinkelte Gassen, ein paar Geschäfte, donnerstag- und sonntagvormittags findet auf dem Dorfplatz ein provenzalischer Markt statt. Auch hier haben einige namhafte Künstler gewohnt und auf dem Friedhof von Ramatuelle wurde der berühmte französische Schauspieler Gérard Philipe beigesetzt. Auf dem Gebiet der Gemeinde liegen bekannte Strände wie der Tahiti-Plage und der etwa 4,5 km lange Strand von Pampelonne, der zu den größten Sandstränden der Region gehört.

Wenige Kilometer von St. Tropez entfernt liegt an den Hängen des Maurenmassivs das Bergdorf Grimaud. Einen wunderbaren Ausblick auf die Bucht von Saint-Tropez hat man von der teilweise restaurierten Burgruine aus, die majestätisch über dem Ort aufragt. Das Dorf mit seinen alten Häusern und Gassen ist sehr angenehm und geschmackvoll restauriert, überall blühen Blumen. Ein Besuch, besonders am Abend, ist sicher ein Erlebnis. Man kann hier in zahlreichen Restaurants sehr gut essen; außerhalb des Trubels, der unten an der Küste herrscht. 

Noch ein Geheimtipp: Wenn Sie einen Strand suchen, wo man gut mit Kindern baden kann, dann fahren Sie nach Rayol-Canadel-sur-Mer. Hier finden Sie kleinere Strände, an denen überwiegend Franzosen Urlaub machen. Außerdem gibt es direkt am Meer einen 20 Hektar großen Garten mit Pflanzen aus der ganzen Welt, den man ganzjährig besuchen kann. 

Am Ende bleibt die Frage, ob Saint-Tropez mich enttäuscht hat. Die Antwort ist eindeutig: Ich komme bald wieder.