30 Jahre Kulturlandschaft „Im Tal“

Im Tal

Das Areal „Im Tal“ mit 50 Kunstobjekten international bekannter Künstler erstreckt sich auf einer elf Hektar großen Fläche zwischen Hasselbach, Werkhausen und Weyerbusch. Das „Tal“ ist keine parkartige, sondern eine behutsam gestaltete, naturnahe und artenreiche Kulturlandschaft. Initiiert wurde sie als Gesamtkunstwerk von dem im Westerwald geborenen Künstler Erwin Wortelkamp. Künstlerkollegen, die sich mit ihren Werken in der ihnen eigenen Ausdrucksform auf die Landschaft einlassen, Architekten und Landschaftsarchitekten, prägten und prägen den Naturraum auf behutsame Weise.

Sohn Kim Wortelkamp, der zwar in Leipzig wohnt und dort das Büro quartier vier für Architektur, Landschaftsarchitektur und Regionalplanung gründete, hat die Bindung zum Westerwald und zur Anlage „im Tal“ nie verloren und wird sich ihr auch in Zukunft widmen.Wolke

Anlässlich des 30-jährigen Bestehens dieses einzigartigen Landschaftsraums haben wir Kim Wortelkamp getroffen und ihn bei sonnigem Wetter durch das blühende Tal begleitet. „Ich bin hier aufgewachsen, habe mich hier engagiert und am Aufbau fast aller Arbeiten mitgewirkt. Das war für mich ein großes Glück. Es hat wesentlich zu meiner Berufswahl als Landschaftsarchitekt beigetragen. Insofern habe ich eine große Verbundenheit zum Tal“, erklärt er uns.

Die künstlerischen Interventionen der letzten Jahre hat er zusammen mit dem Kurator Jörg van den Berg in die Anlage integriert. Natürlich immer im Dialog mit dem Vater. „Weil es einfach Spaß macht, so zu dritt zu arbeiten. Es funktioniert sehr gut.“ Kim Wortelkamp sieht das „Tal“ ohnehin als Gemeinschaftsprojekt: „Es gibt die Künstler, die daran teilhaben und das Konzept mitbestimmt haben, es gibt Jörg van den Berg, meinen Vater, gemeinsame Freunde und die Landschaftsarchitektin Frau Schnug-Börgerding.“

Interkommunale Kooperation

Als neues zentrales Anliegen nennt er die Schaffung einer interkommunalen Kooperation zwischen der Anlage „im Tal“ und den Gemeinden Werkhausen, Hasselbach und Weyerbusch, bei der jeder seinen Part zur Gemeinschaft beisteuert: „Wir unser Potenzial und Wissen, das wir im Tal gesammelt haben, und die Gemeinden die Ausstattung und Infrastruktur, wie z.B. Gastronomie oder Unterbringung der Gäste. Es gibt hier Wege, Wanderwege, die sich überschneiden und einer von ihnen könnte nach Weyerbusch zum „Depositum“ führen.“ Das von Kim Wortelkamp entworfene „Depositum“ im zwei Kilometer entfernten Weyerbusch wurde 2009 feierlich eröffnet und erhielt 2011 den Architekturpreis Rheinland-Pfalz. Zunächst als Ausstellungsort genutzt, soll es zukünftig dem Stiftungsgut von Erwin Wortelkamp ein Zuhause geben.

„Wir haben landschaftlich etwas bewirkt, aber wir brauchen auch den Umraum“, erklärt Kim Wortelkamp. „Ein Landschaftsgarten existiert nicht ohne die Bezüge zu seiner Umgebung, und viele Arbeiten sind konkret in Bezug auf diese Kulturlandschaft entstanden. Daher muss man gemeinsam an so einem landschaftlichen Gefüge arbeiten.“

Diese Arbeit soll von Fachleuten begleitet werden, aber auch die Bevölkerung soll einbezogen werden: Was schätzen wir an unserer Heimat? Was vermissen wir? Was ist mit den Zugezogenen – wie sehen sie die neue Heimat, was wollen sie in 20 Jahren? Was kann die Skulpturenlandschaft leisten – spielt sie überhaupt noch eine Rolle oder ist sie für viele irrational? „Wir merken, dass die Leute dieses Areal für kleine Ausflüge nutzen – auch die, die hier wohnen – und an dem Reichtum, den das „Tal“ bietet, partizipieren (zumindest mit dem Auge). Es ist schon spannend, welche Wechselwirkung das hat und welche Impulse es setzen kann. Würde man die Anlage nur konservieren, dann würde das Ganze nicht funktionieren, davon sind wir überzeugt.“

Für die Zukunft wurde die „im Tal-Stiftung Wortelkamp“ gegründet. Das heißt, es existiert bereits eine Organisation, an die alles übergeben werden kann. „Dahin gehen die Arbeiten, die schon im „Tal“ sind und ein Teil der Arbeiten meines Vaters. Insofern legen wir alles auf ein längerfristiges Bestehen an.“

Damit die Anlage jedoch lange bestehen kann, ist es zwingend nötig, den Ort lebendig zu halten. Dazu tragen zwei Elemente bei: Das eine ist das zentrale Thema der Kunst und die Integration weiterer Arbeiten in die Anlage. „Hier muss man jedoch aufpassen, da der gesamte Talraum schon besetzt ist und das Tal von der Distanz der Arbeiten zueinander lebt“, warnt Kim Wortelkamp. Dennoch finden sich überraschende Möglichkeiten für neue Werke im „Tal“. Letztes Jahr wurde etwa die „Wolke“ von Berliner Künstlerin Bettina Khano installiert.

Im kommenden Herbst wird die Leipziger Künstlerin Bea Meyer ihren neuen Beitrag „Wenn du weg bist, bin ich da“ für die Anlage präsentieren, der im Winter die empfindlichen Keramikskulpturen von Christoph Schäfer vor der Witterung schützen wird. Zwei Arbeiten also, die sich zum zeitlichen Wechsel einen Standort teilen. Das andere ist das abwechslungsreiche Programm und die Ausstellungen des jährlich stattfindenden jour fixe und die zum jeweiligen Thema passenden Talgänge durch die Anlage.

„Erläutert man den Gästen bei der Führung die unterschiedlichen Zusammenhänge – ergänzt mit musikalischen, literarischen oder auch theoretischen Interventionen (so eine Runde dauert drei bis vier Stunden) – dann sind sie mit Feuer und Flamme dabei. Musik, Lesungen, eine Auswahl an Arbeiten – da finden auch wir immer wieder Neues. So bleibt es auch für uns spannend und lebendig.“ (dh)

Jour fixe 2016

Freitag, 24. Juni 2016
18:30 im Depositum
Festreden und Festkonzert tal tönen 08

Samstag, 25. Juni 2016
11:00 im Depositum Eröffnung der Jubiläumsausstellung IM TAL: DREISSIG JAHRE, FÜNFZIG WERKE & EINIGE WÜNSCHE
15:00 im Tal – Talgang Jörg van den Berg & Kim Wortelkamp WEGE ZWISCHEN DÖRFERN
19:00 im Haus für die Kunst Thomas Hettche DIE PFAUENINSEL Lesung
weiterführende Informationen: www. im-tal.de Anmeldung erforderlich