Die schönste Käseversuchung

Nicht viele von uns finden einen Beruf, von dem sie sich nicht mindestens ein Mal im Jahr erholen müssen. Doch die, die es geschafft haben, machen oftmals das Unmögliche möglich. Für Claudia Schäfer-Trumm aus Oberrod hat sich dieser Traum mit ihrer kleinen Fromagerie erfüllt. Durch die Liebe zu den Ziegen und zum Ziegenkäse ist es ihr gelungen, ein Stück authentisches Frankreich in den Westerwald zu bringen und einen eigenen Urlaubsort zu erschaffen.

Wie alles anfingClaudia-Schaefer-Trumm

„Vor elf Jahren habe ich fünf Minuten ‚Planet Wissen‘ geschaut und da haben sie gezeigt, wie man in der Provence Ziegenkäse herstellt. Bis dahin hatten wir Ziegenkäse nur gern gegessen”, sagt Claudia. Sie bestellte sich kurzerhand ein Buch über die Herstellung von Ziegenkäse und kaufte Ziegenmilch beim Bauern. Es dauerte nicht lange, da besaß sie ihre ersten drei Ziegen: Anna, Paul und Emma. Im Januar 2005 wurde ‚Die kleine Fromagerie‘ gegründet, aber der hergestellte Ziegenkäse diente zunächst nur dem Eigenverbrauch. Es war ein Hobby. Zu der Zeit dachte niemand, dass Claudia Schäfer-Trumm heute 105 Muttertiere, 2 Böcke, 15 Kleine und 17 Lämmer besitzen würde. 

Die Ziegenfarm

Die neugeborenen Ziegen werden mit der Flasche und viel Liebe großgezogen. Sie sind für Familie Schäfer wie Haustiere, die sogar eigene Namen haben – so hat man eine engere Beziehung zum Tier. Statt scheu zeigen sie sich menschenbezogen und kommen von sich aus auf uns Zweibeiner zu. Sie haben einen besonderen Charakter: Sie sind sehr intelligent, eigensinnig und lieb, hin und wieder auch launisch und ... na, zickig eben. 

Morgens und abends werden alle Ziegen gemolken. Silage bekommen sie nicht, damit Milch und Käse nicht übersäuern. „Wir lassen die Muttertiere jedes Jahr ablammen, damit sie gute Milch haben. Das ist zwar mehr Arbeit, aber wir wollen es so. Ein Tier, das gut gehalten wird, gibt auch gute Milch”, erklärt Claudia. 

Der Ziegenkäse

Und so gut schmeckt dann auch der Käse, der für Claudia mehr als nur ein Brotbelag ist. Vielfältigkeit und gutes Handwerk machen eines der ältesten Lebensmittel aus, das Gerichte perfekt verfeinert oder mit einem Glas Wein genossen wird. Es gibt Ziegenkäse in unzähligen Variationen: mit Blau- und Grauschimmel,  mit Pflaumen, Mandeln und Pistazien gefüllt, mit Heublumen,  Thymian oder Lavendel umhüllt – und mit Raffinesse und Liebe verpackt. Laut der Zeitschrift „Feinschmecker“ gehört er zu den besten Käsen Deutschlands. 

Die Veranstaltungen

Seit sechs Jahren veranstaltet Claudia Schäfer-Trumm die „Sinfonie der Sinne”, eine Käse-Weinverkostung, in Oberrod. Freitags und samstags können Teilnehmer eine Wanderung über den Hof buchen und dabei die Ziegen kennen lernen. Im Anschluss wird ihnen im mediterranen Bruchsteinhaus die ganze Vielfalt des Ziegenkäses in einem 7-Gänge-Menü mit passenden Weinen serviert.

Bei der Veranstaltung „Traditionelles Kochen und Genießen” lernt man das Kochen mit einfachen und guten Lebensmitteln nach deutscher, umbrischer, provenzalischer, französischer und engadiner Art. 

Gäste, die den Hauch von Frankreich länger genießen möchten, können in der traditionell französisch eingerichteten Ferienwohnung „die kleine Auberge“ verweilen, ganz nach dem Motto “Vetera vita – das alte Leben”. Denn das ist es, was die kleine Fromagerie ausmacht: leben wie früher.

Unternehmerin des Jahres 2016

„Ich war sehr gerührt, als der Anruf kam, dass ich von 25.000 Unternehmern in Deutschland zur Unternehmerin des Jahres 2016 gewählt wurde – hier am Ende der Welt. Das hat mir bestätigt, dass wir es richtig machen. Wir haben eine mehr als artgerechte Tierhaltung, legen auf Qualität ebenso großen Wert wie auf Naturzutaten und das Wohl des Tieres. Das macht sich auf Dauer bezahlt. Dass wir nachhaltig arbeiten, dahinter muss ich auch stehen können. Mein Lebensmotto ist ‚Wahrheit und Klarheit‘. So kommen wir gut durchs Leben.“

Und es geht weiter; vieles wird vergrößert: Der Stall wird zum Bauern-hofmuseum, auch die Scheune wird umgebaut und ein Backhaus kommt dazu. Gäste erhalten die Möglichkeit, das Leben ohne Handy zu entdecken und den Lebensstil „von früher“ zu erfahren: Fünf kleine Häuser sollen auf dem Grundstück der Glückseligkeit, umgeben von Maronen- und Pfirsichbäumen, gebaut werden. Ein Ende des großen Abenteuers ist vorerst nicht in Sicht. „Ich bin Perfektionistin. Wir müssen noch besser werden, wir dürfen uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen”, so Claudia.

www.kleine-fromagerie.de

von Janika Hampl