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IHR LANDSTYLE MAGAZIN


Fotoquelle: burggrafburggraf

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Eine Tasche oder ein Rucksack ist das kleine Zuhause zum Mitnehmen. Egal wo wir hingehen, wir finden alles Wichtige in unserer Tasche. Aber sie ist heute mehr als nur ein Behältnis. Genau wie der Kleidungsstil gibt sie etwas über unseren Charakter preis. iMAG hat ein Interview mit den zwei jungen bescheidenen und sehr sympathischen Designerinnen Nicola Burggraf und Elena Burggraf-Reusch geführt, die hauptsächlich Taschen und Rucksäcke aus Korkleder produzieren, die mit ihrer Leichtigkeit und Simplizität überzeugen.

 

Liebe Frau Burggraf, liebe Frau Burggraf-Reusch, Sie haben mit Ihren Produkten aus Kork den „Newcomer Award“ auf der POTENTIALe 2018 (Festival & Messe für Design.Fotografie.Medienkunst) gewonnen. Erzählen Sie uns doch erst mal etwas über sich und Ihr Unternehmen „burggrafburggraf“.

Wir entwickeln mit unserem Label „burggrafburggraf“ Taschen, Rucksäcke und Accessoires mit puristischer Formensprache und einem Fokus auf pflanzenbasierten Materialien. Unsere Produkte fertigen wir zu 100% in unserem Atelier in Stuttgart. Dabei ist uns eine gute, klare Gestaltung genauso wichtig wie die Herkunft der Materialien und Zutaten, die wir verarbeiten. Unser zungenbrecherischer Name ist ein Hinweis auf unsere besondere Verbindung: Wir sind Zwillinge – und beide Produktdesignerinnen. 

Wie sind Sie überhaupt dazu gekommen, Taschen zu entwerfen? Seit wann arbeiten Sie an der Idee?

Die Idee einer Zusammenarbeit entstand schon während des Produktdesignstudiums an der HfG Offenbach. Nach dem Diplom 2009 sind wir zuerst getrennte Wege gegangen, um Berufserfahrung zu sammeln. Wir haben mehrere Jahre in den Bereichen Exhibition Design, Design Research und Content Design gearbeitet. Allerdings fehlte uns die experimentelle Arbeit mit Materialien, die wir während unseres Studiums so geschätzt haben. Also haben wir unser eigenes Label „burggrafburggraf“ gegründet, bei dem wir die Gestaltung von Taschen und unsere Liebe zu Textilien und zum handwerklichen Arbeiten wunderbar mit unserem Background aus dem Produktdesign verbinden können. Ende 2017 haben
wir nach fast zweijähriger intensiver Vorbereitungszeit unsere erste Kollek-tion vorgestellt.

 

Sie legen bei Ihrer Arbeit großen Wert auf die Kombination von Ästhetik, Schlichtheit und Qualität. Worin unterscheiden sich Ihre Produkte von anderen Modemarken?

Unsere Produkte sind minimalistisch, haben aber gleichzeitig einen hohen Wiedererkennungswert. Wir arbeiten immer daran, formal und konstruktiv neue Wege zu gehen. Deswegen gibt es bei uns auch nicht viermal im Jahr eine neue Kollektion. Neue Produkte entlassen wir erst in die Welt, wenn wir denken, dass sie rundum stimmig sind. 

Charakteristisch für unsere erste Kollektion ist eine Kellerfalte, die mittig über die Front aller Entwürfe verläuft. Hier ist ein Edelstahlelement eingebettet, das als Aufhängepunkt für die Träger dient. Das Edelstahldetail wird in Deutschland speziell nach unseren Entwürfen angefertigt. Die Träger befestigen wir mit einem sogenannten Ankerstichknoten, einem schönen schlichten Knoten, der seit Jahrhunderten sowohl an Land als auch auf See verwendet wird. Bei unserer Clutch verwandelt sich die Kellerfalte im Inneren in drei offene Innenfächer. Wir mögen diese subtilen Details sehr gerne; Dinge, die einem vielleicht erst auffallen, wenn man ganz genau hinschaut. 

Aktuell sehen wir viele Korktaschen auf dem Markt, die nicht unserem gestalterischen Empfinden entsprechen. Sie sind oft formal überladen, bunt und wirken nicht wertig. Ein Produkt einfach und reduziert aussehen zu lassen, ist oftmals am schwersten umzusetzen.

Warum ausgerechnet Kork? Ich hätte beim Kauf einer Korktasche die Bedenken, dass das Material zu sensibel ist, vor allem bei Regen.

Wir arbeiten grundsätzlich lieber mit der Haut von Bäumen als mit der Haut von Tieren. Leder ist ein gutes Material mit einer uralten Tradition, aber wir denken, es ist an der Zeit, alternative Materialien in das Bewusstsein der Menschen zu rücken. Mit unserer Kollektion möchten wir die Potentiale von pflanzenbasierten Materialien aufzeigen. Während unserer Recherche zu Lederalternativen sind wir auf Portugals nachhaltige Korkwirtschaft gestoßen. Zur Korkgewinnung wird die Borke von Korkeichen alle neun Jahre vorsichtig per Hand vom Baum geschält. Das regelmäßige Abschälen der Korkschicht erhöht die Lebenserwartung der Bäume und hilft somit auch, das kostbare Ökosystem der Korkeichenwälder zu bewahren. In der Regenerationsphase nach der Ernte kann eine Korkeiche bis zu fünfmal mehr CO2 binden! Das hat uns sehr beeindruckt. 

Neben dem Aspekt der Nachhaltigkeit hat uns Korkleder auch durch seine optischen und haptischen Qualitäten überzeugt. Kork ist sehr widerstandsfähig und hat die angenehme Eigenschaft, von Natur aus wasserabweisend zu sein. Unsere Taschen dürfen Sie also ruhigen Gewissens mit in Regen, Schnee und Nässe nehmen. Wassertropfen können Sie einfach wegwischen, ohne dass Flecken zurückbleiben. Da Kork außerdem sehr leicht ist, wiegt unser Rucksack Como gerade mal 300 Gramm. Die Oberfläche fühlt sich samtig an und durch die einzigartige Maserung ist jede unserer Taschen ein Unikat.

 

Sind pflanzenbasierte Textilien auch Ihren Kunden wichtig? Erkennen Sie, dass vegane Mode zunehmend an Bedeutung gewinnt?

Bei unseren Kunden erleben wir, dass sie unsere Taschen wegen des außergewöhnlichen Designs kaufen. Die Tatsache, dass sie aus einem veganen Material gefertigt werden, steht dabei nicht immer an erster Stelle und ist sozusagen ein schöner Nebeneffekt. Auf unseren Messen müssen wir noch viel Aufklärungsarbeit zu unserem Material leisten, manche Kunden kennen Korkleder aber auch schon. Generell beobachten auch wir aber, dass die Nachfrage nach veganer Mode und vor allem nach fair produzierter Mode steigt. 

 

Dann schätzen es Ihre Kunden sicherlich auch, dass Sie jede einzelne Tasche entwerfen, bemustern und persönlich von Hand fertigen. Was beschäftigt Sie zurzeit im Bereich nachhaltige Mode?

Wir glauben, dass das Bewusstsein für die Herkunft der Ware wächst. Die #whomademyclothes-Kampagne, die insbesondere auch über die sozialen Netzwerke aufrütteln will, ist ein Beispiel dafür. Es ist ein Umdenken zu beobachten: weg vom Massenkonsum extrem billiger Bekleidung und hin zu einer bewussteren Auswahl und vor allem auch zur persönlichen Reduktion – Stichwort „Capsule Wardrobe“.

Dass wir unsere Kollektion auch selbst fertigen, ist ein wichtiger Pfeiler unseres Labels und unserer Identität als „Designer & Maker“.  Wir haben durch unsere Fertigung im Atelier ein Höchstmaß an Flexibilität und Kontrolle und können auf Kundenfeedback viel schneller reagieren. Außerdem vermeiden wir auf diese Weise eine Überproduktion.

Im Moment sind wir auf der Suche nach weiteren Materialien auf Pflanzenbasis für unsere Kollektion. Es gibt einige interessante Materialentwicklungen, bei denen zum Beispiel Reste der Obst- oder Weinproduktion verwendet werden. 

 

Also können wir uns 2019 auf eine Erweiterung Ihrer Kollektion freuen?

Ende letzten Jahres haben wir unsere Kollektion um minimalistische Portemonnaies für Damen und Herren erweitert. Aktuell arbeiten wir an einer Kooperation mit einem jungen Schmucklabel aus Stuttgart. So viel können wir schon verraten: Es geht um eine kleine Handtasche, die Elemente aus beiden Welten – der des Schmucks und der des Produktdesigns – verbindet und in limitierter Auflage von uns produziert wird. Erstmals wollen wir sie im März auf der internationalen Designmesse „blickfang“ in Stuttgart präsentieren, danach soll sie auch über unseren Onlineshop erhältlich sein.

 

Ausstellung am 06.04.2019, 10-19 Uhr, 

Zugvögel, Pop-up Event für Mode, Schmuck und Design, 

Design Post, Deutz-Mülheimer-Str. 22a, 50679 Köln

 

www.burggrafburggraf.de

 

Text: Janika Hampl I Fotoquelle: burggrafburggraf

 

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Neue Ausgabe erscheint
am 01.03.2019

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