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IHR LANDSTYLE MAGAZIN

Fridays for future“ - 
auch in meinem Garten?


Nachdem uns der vergangene Winter von bitterer Kälte verschont hat und man schon im Februar an geschützten Plätzen draußen sitzen konnte, haben die angenehmen Temperaturen uns recht früh viele Frühlingsblüher beschert. Ein besonderes Highlight ist für mich, wenn ich den ersten Huflattich mit seinem sonnigen, kräftigen, warmen Gelb entdecke.
Im Wonnemonat ist dann wie alljährlich alles explodiert. Mit Grün und Blüten überschüttet und oft fast überwuchert. Es ist jedes Jahr aufs Neue erstaunlich, wie sich die Natur beinahe blitzartig zu grünen Urwäldern entwickelt.
Dem entgegen stehen die Veränderungen, die der Klimawandel mit sich bringt. Nach dem regenarmen, trockenen Sommer im letzten Jahr werden nach und nach die massiven Schäden sichtbar. Schaue ich auf den Hang der uns gegenüberliegenden Talseite, sehe ich hunderte abgestorbene Fichten. Es ist dramatisch, wie weitläufig sich das Sterben vieler Bäume beobachten lässt. Einerseits bringt Verfall auch wieder Platz für Neues, andererseits darf man das Ganze nicht unterschätzen: Bäume und Bienen sterben, Gärten werden zurückgebaut, natürliche Lebensräume fallen der industrialisierten Landwirtschaft oder der Verbauung zum Opfer. Wo soll das hinführen?
Da ist es nur gut, dass sich unsere Jugend, Schüler und Studenten auf den Weg machen, um zu demonstrieren. Stichwort „Fridays for future“. Ob sich aber dadurch etwas verändert? Eher nein, denke ich. Jeder von uns muss einen Beitrag leisten, die Politiker können das Problem des Klimawandels nicht allein lösen. Ein jeder von uns muss bereit sein zu Veränderungen. Zu Veränderungen, die das Leben nicht immer leichter und angenehmer machen. Das „schneller, weiter, höher“ muss dem beschaulichen Innehalten weichen.
Bei vielen Dingen werden wir einen Schritt zurückgehen müssen. Ein Beispiel hier vom Land: Warum gibt es immer weniger Gärten und nur noch Rasen oder Steinanlagen statt Blumenbeeten? Mauern aus Steinen in Käfigen statt Hecken? Klar, auf den ersten Blick macht es weniger Arbeit, jedoch können wir in einem Garten, in dem es blüht, Leben entdecken, denn er bietet Raum für Tiere, Insekten und Bienen. Mitbewohner, ohne die unser Leben nicht funktioniert.
Also ist jeder, der die Möglichkeit hat, gefordert, seinen Beitrag zu leisten. Und wie einfach ist Gärtnern! Gemeinsam mit der ganzen Familie. Eigenes Gemüse anbauen. Traumhaft. Bio. Der große Boom! Es liegt alles ein bisschen in unserer Hand. Packen wir’s an!
Anstatt wöchentlich mit dem Aufsitzmäher, der vielerorts schon durch den Rasenroboter wegrationalisiert wurde, eine Gartenrallye zu veranstalten, würden sich sicherlich viele Flächen für Stauden- oder Gemüsebeete anbieten. Meine Erfahrung ist, dass es gut tut, nach einem stressigen Arbeitstag mit ein wenig Gartenarbeit runterzukommen, zu entschleunigen und abzuschalten. Vielleicht das einfachste Heilmittel gegen den Burnout, den immer mehr Menschen in unserer ruhelosen Zeit erfahren.
Gern laden wir Sie ein! Schauen Sie an unseren Kräutertagen vorbei, trinken Sie einen Tee oder Kaffee und Sie werden erleben, dass bei uns Brennnessel, Giersch, Bärlauch und Co. ganz einfach dazugehören und einen festen, gesunden Bestandteil in unserem Garten und auf unserem Speiseplan ausmachen. Es gibt so unendlich viele spannende Rezepte. Ich könnte stundenlang schwärmen und frage mich immer wieder, warum Restaurants es so selten schaffen, ein tolles vegetarisches Gericht auf die Speisekarte zu bringen.
„Fridays for future“ im Garten muss nicht unbedingt freitags sein. Jeder Tag bietet sich an. Ob wir so die Welt retten, ist zwar die Frage, auf jeden Fall können wir ihr aber ein bisschen helfen. Unsere Gärten können die Hoffnungsträger für die Zukunft sein, wenn wir sie richtig gestalten. Wir müssen es schaffen, die abhanden gekommene Ehrfurcht vor der Natur wieder zurückzugewinnen. Fangen wir an, sie als Familienmitglied zu betrachten. Das wäre schon mal was.

Karlheinz Meis 
10 JAHRE THALER KRÄUTERTAGE – Termine 2019: blumenwerkstatt-im-thal.de

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