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IHR LANDSTYLE MAGAZIN

JEDER RISS BAHNT SICH SEINEN WEG


Es gibt sie in allen Bereichen des Lebens - diese Menschen, die ihr Fachgebiet revolutionieren. Genau das, was die Keramikerin Uta Becker mit ihrer Raku-Keramik geschafft hat. Weg von den typisch dicken, unsymmetrischen Formen des traditionellen Rakubrandes hin zu schlichten, geometrischen, dünnen und farbenfrohen Gefäßen, die mit Perfektion ausgeführt werden. Der Gegensatz aus geplanten Formen und unvorhersehbaren Mustern, die mithilfe dieser Technik entstehen, ist das Markenzeichen von Uta Becker geworden und hebt sie von anderen Raku-Keramikern hervor. Dafür erhielt sie mehrere Preise und Auszeichnungen, unter anderem den NRW-Staatspreis für Kunsthandwerk im Bereich Keramik. Es sollte alles anders laufen So unvorhersehbar wie der Rakubrannd ist, war auch Uta Beckers Weg zur Keramik. Als Architektentochter absolvierte sie eine Schreinerlehre, bevor sie ihr Studium in Bildhauerei an der Alanus Hochschule in Alfter bei Bonn abschloss. Als freie Bildhauerin musste sie sich auf längere kreative Prozesse einlassen, die sie wegen ihrer kleinen Kinder zu oft unterbrechen musste, keine ideale Arbeitssituation. Genau in der Zeit stieß sie auf die Raku-Brenntechnik und war fasziniert vom Brennen im Feuer und der experimentellen Art. Sie nutzte die Möglichkeit, in der Werkstatt einer Keramikerin mitzuarbeiten und sich das Handwerk anzueignen. Diese Faszination ließ sie nicht mehr los und so eröffnete sie 2000 ihre eigene Werkstatt in Rösrath-Hoffnungsthal. Die Raku-Technik Die aus dem 16. Jahrhundert aus Japan stammende Brenntechnik Raku („stille Freude“) wurde zum Herstellen einfacher Teeschalen angewandt, die meist schwarz und rot bleiglasiert wurden, um die Farbe des Tees zu unterstreichen. Das Besondere bei dieser Technik ist, dass die Schalen noch im glühenden Zustand herausgeholt und nicht, wie es bei anderen Keramik-Techniken üblich ist, im Ofen ausgekühlt werden. Dadurch wird die Glasur mit Absicht zum Reißen gebracht. Dieser Vorgang heißt Craquelé und der Töpfer hat viele Möglichkeiten, ihn bewusst zu beeinflussen: Zum Beispiel können die Brennstücke in Tonnen mit Sägemehl geräuchert, mit Kupfer bedampft oder in Erdlöchern abgekühlt werden, um die entstehenden Risse sichtbar zu machen. Das Endergebnis bleibt immer unvorhersehbar. Raku als Geisteshaltung Uta Beckers Arbeiten sind Unikate, die als Teeschalen, Reisschalen, Dosen oder Gefäße kombiniert und erweitert werden können. Die schlichten Körper überlässt sie nicht dem Zufall - sie sind geplant und werden nach ihren genauen Vorstellungen mit
allen Maßen in einer Aufrisszeichnung festgehalten. Eine Fähigkeit, die sie als Schreinerin gelernt hat und ebenfalls beim Ton verwendet, ist einzelne Teile auf Gehrung zu schneiden. So werden die Tonplatten mithilfe von Stützen zusammengesetzt und nicht gedreht. Dieser Aufbau, und vor allem ihre Perfektion fasziniert viele Fachleute. Die netzartigen Risse des Raku-Brandes harmonieren perfekt mit den schlichten Formen der Objekte und vereinen beide Gegensätzlichkeiten. Wie die farbenfrohe Glasur am Ende aussieht, kann Uta Becker nicht vorhersehen. Sie arbeitet ohne Temperaturmesser und beobachtet den Brand nur durch eine kleine Öffnung. Dabei kann sie aktiv eingreifen und den Moment erkennen, an dem sie loslassen und den Prozess der Natur überlassen muss. Raku ist mehr als nur eine Brenntechnik - vor allem ist es eine Geisteshaltung. „Die Arbeit in der Natur mit Elementen verlangt Strenge und Fantasie, Aufmerksamkeit und Improvisation, Zartheit und Kraft. Es fordert den Töpfer heraus, zu lassen oder einzugreifen und konfrontiert ihn mit sich selbst“ erklärt sie. Auch wenn Uta Becker viele Auszeichnungen gewann und sich einen Namen als Keramikerin machte, ist ihre Perfektion noch lange nicht „fertig“. Sie stellt sich die Fragen, wie sie eckige Formen noch dünner und Öffnungen noch schmaler hinbekommen kann. Und wer weiß, vielleicht wird sie auf diesem Weg einen ganz neue Art der Keramik entdecken. Veranstaltungen: www.keramik-roesrath.de Fotografie: Johannes Cawelius

 

 

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