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IHR LANDSTYLE MAGAZIN



Wolfgang Zurborn (63) ist nicht nur ein Fotograf mit eigener Handschrift, er ist auch Galerist, Lehrer, Fotobuchgestalter und bei vielen Fotofestivals dieser Welt ein Vertreter der zeitgenössischen Fotografie. Er ist ein guter Redner, leidenschaftlicher Disputant über das Medium und gnadenloser Tänzer bei allen Vernissagen, wo Musik gespielt wird. Zurborns Weg zum eigenen Ausdruck begann beim Studium an der Fachhochschule Dortmund (1979-1984). Seine Bilder waren, wie es sich damals gehörte, S/W und eine „extreme Form des Zeitdokuments.“ Er war auch stark von der amerikanischen Street Photography geprägt, Lee Friedlander oder auch Walker Evans waren seine Vorbilder. Nach dem Studium fing er mit der Farbe an. Das war in der Mitte der 80er Jahre mutig, jedenfalls ungewöhnlich. Die Einflüsse kamen dann mehr aus der amerikanischen Pop Art. Maler wie Rauschenberg oder Rosenquist und ihr Umgang mit der Farbe und mit Collage haben Zurborn mehr inspiriert als die damalige deutsche Fotografie. Er ist konsequent auf Hochformat umgestiegen, denn wie er sagt: „Hochformat stellt Dekonstruktion im städtischen Raum dar“, und Zurborn ist ein urbaner Fotograf schlechthin. 

Seine Bilder sind absurd bis surreal und in der Darstellung zeitlos. Es ist die intuitive „Erfahrung des Moments“ und man muss den eigenen Schlüssel für die Bilder finden. Das gelingt nicht jedem und nicht immer. „Für mich ist es wichtig, die Welt aus dem Detail heraus zu erzählen und ein Rätsel zu erschaffen.“ 

Seine Fotografien präsentiert er am liebsten in den Büchern, die auch seiner eigenen Handschrift folgen. 

„Ich entwickle das Konzept aus den Bildern heraus. Man muss die Bilder lesen können und die Bilder müssen zusammenfinden. In unserer textorientierten Gesellschaft belegen wir alles sofort mit Begriffen. Gute Bilder haben die Chance, das mit großer Aussagekraft zu durchbrechen. Und die editierende Buchstruktur soll es nach und nach so unterstützen, dass die Bilder in der Abfolge für den Betrachter lesbar sind. Bilder, die sich selbst ein Konzept finden.“ Seine Bücher tragen dann geheimnisvolle Titel wie Catch, Drift oder Karma Driver. „Die Titel müssen nicht logisch sein, aber sie sollen schon eine Haltung transportieren, wie ich eigentlich dran gehe, inklusive meiner Phantasie.“ Einen Teil seiner Arbeit als Lehrer widmet er den Kindern. In verschiedenen Workshops lässt er sich von elfjährigen Teilnehmern begeistern und inspirieren. 

„Sie denken nicht in Themen, sie nehmen einfach die Kamera in die Hand und machen. Diese Freiheit, intuitives Losgehen und der Impuls, da bin ich wie die Elfjährigen.“ Auch aus dieser Arbeit entstehen verschiedene Magazine, Bücher und Broschüren. 

Seit 1986 betreibt Wolfgang Zurborn (zusammen mit Tina Schelhorn) die Galerie Lichtblick in Köln-Nippes, mittlerweile eine der ältesten Galerien für Fotografie in Deutschland. Im Jahr 2010 haben die beiden die Lichtblick School gegründet, in der sie die neue Generation an die Fotografie heranführen. In den Workshops geht es nicht mehr darum, einzelne Bilder hervorzuheben, sondern durch die Abfolge und Gestaltung eine eigene Bildsprache zu entwickeln. Seit 1998 ist er auch Mitglied des Präsidiums der Deutschen Fotografischen Akademie. Wolfgang Zurborn ist ein reflektierender Künstler, der sich auch von Literatur, Malerei oder auch dem Tanz gern beeinflussen lässt. 

„Weil ich nicht in einer starren Tradition steckengeblieben bin, besteht für mich die eigene Bildsprache in der Reflektion der anderen Bildsprachen. Ich brauche aber auch noch konzeptionelles und philosophisches Wissen, um die Dinge zuzuordnen und zusammenzufügen.“

 

Text  Josef Snobl

 

 

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Ausgabe Herbst erscheint am 02.09.2019

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