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 Oliver Hermes

Zum vierten Mal wurde Lisa Anschütz mit dem Arca-Deli-Award der Schweizer SAVE Foundation prämiert, der Produkte von bedrohten Haustierrassen würdigt. Nach dem Pullunder aus selbstgesponnener Wolle, der Ledertasche und der handgewebten Jacke waren es diesmal Lederschuhe. Das Rohmaterial für alle vier Produkte lieferten die Tiere vom Arch-Hof Windeck, den Lisa Anschütz zusammen mit ihrem Mann Karl-Josef Groß im Nebenerwerb betreibt: Bentheimer Landschafe und Glanrinder. 

Die Idee dazu kam ihr vor zwei Jahren, als Oliver Hermes beim Windecker Burgmarkt vorgeführt hat, wie man mit alten Werkzeugen Schuhe nähen kann. „Können Sie mir auch aus unserem Leder Schuhe machen?“ fragte sie spontan. Sein klares „Ja“ brachte sie dazu, über den Schuh nachzudenken: Wie dick muss das Leder sein, damit er fest genug ist und sich trotzdem gut bearbeiten lässt; welche Gerbung und Sohle passen dazu? Schnell war klar, dass die Haut zum Gerbermeister Michael Beuleke nach Runkel an der Lahn gebracht wird, der sie verarbeiten und pflanzlich gerben soll.

„Ich fand das Vorhaben von Frau Anschütz toll“, sagt Oliver Hermes. Es war nicht von Anfang an klar, wohin die Reise geht, von der Idee bis zur Fertigstellung hat es ein halbes Jahr gedauert. Es hat sich nach und nach entwickelt und es wurde ein richtiges Projekt daraus. Ein Windecker Projekt! Denn in erster Linie geht es hier um das Thema Nachhaltigkeit und Regionalität, das man kaum besser demonstrieren kann. 

Für den Orthopädie-Schuhmacher-meister Oliver Hermes läuft viel über Maßanfertigungen. In sein Schuhgeschäft in Windeck-Rosbach kommen viele Kunden, die spezielle Schuhanfertigungen brauchen. Seine Werkstatt über dem Laden ist die eines Schusters, nur um einige moderne Geräte aufgerüstet. Er hat den Schnitt und die Form so gewählt, dass der Schuh der heutigen Zeit entspricht, dann den Leisten hergestellt und das beste Stück Leder aus dem Rückenstück ausgeschnitten und zusammengenäht. Die Sorge, dass der Schuh nicht glatt wird, war unbegründet. Es ließ sich super bearbeiten. Das Resultat ist ein zeitloser, feiner Lederschuh für alltägliche und festliche Anlässe, der speziell für Frau Anschütz angepasst wurde. Die Besonderheit dabei ist, dass der schwarze Schuh aus einem einzigen Lederstück besteht, der lediglich an der Ferse zusammengenäht ist.

„Am Ende bin ich froh, dass das Produkt vom Design und der Qualität so stimmig geworden ist,“ strahlt Oliver Hermes. „Ein universeller Schuh, der sich auch zum Wandern eignet. Die einfache geklebte Ausführung mit individuellen Einlagen für Frau Anschütz dient der Bequemlichkeit. Solcher Schuh hat eine Haltbarkeit von 15-20 Jahren.“

Lisa Anschütz, die mit ihren Schuhen sehr zufrieden ist, muss auf ihren tägliche
Einsatz für einige Zeit doch noch verzichten. Gerade sind sie bei Hermes Schuhmode/Orthopädie-Schuhtechnik in Rosbach ausgestellt. Dadurch kann man sich den Aufwand einer individuellen Schuhproduktion besser vorstellen. 

Die Kooperation von Lisa Anschütz und Oliver Hermes, die ihnen viel Spaß machte, zeigt, was hier früher funktioniert hat und heute verloren gegangen ist. Und dass es sich lohnt, gegen den Trend der Wegwerfgesellschaft mit neuen Ideen entgegenzusteuern.

Text: Drahomira Hampl I Foto: Jiri Hampl

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Lebens-Art, Windeck-Schladern
Buchhandlung Joest, Windeck-Dattenfeld
Buchhandlung Windrose, Eitorf

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