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Jaroslav Poncar – Angkor 

Ich hatte das Glück, meine Kindheitsträume zu verwirklichen

„Mit acht Jahren sah ich in der Wochenschau im Kino, wie Edmund Hillary mit Sherpa Tenzing Norgay den Mount Everest bestieg“, erzählte uns Fotograf Jaroslav Poncar bei unserem Treffen in seiner Kölner Wohnung. „Es hieß, der letzte Pol sei erobert. Ich war enttäuscht: Welchen Pol werde ich erobern? Bin ich zu spät geboren? Zu der Zeit berichtete uns die Mutter allabendlich, was sie jeweils am Vortag in ihrem Buch über den sagenumwobenen Ort Shangri-La gelesen hatte. Diesen wollte ich unbedingt eines Tages finden!“

Heute gehört Jaroslav Poncar zu den bedeutendsten Tibet-Fotografen und Kennern der Himalaja-Region. Als erster Europäer durchquerte er 1985 Tibet in ganzer Ost-West-Ausdehnung. Ein Jahr später schloss er sich im Südwesten den tibetischen Nomaden an. Seine auf unzähligen Reisen auf dem Dach der Welt zwischen 1974 und heute entstandenen Fotografien zeigen uns eine Welt, die es heute so nicht mehr gibt.

Danach widmete er sich einem weiteren umfangreichen Projekt: Er war mehr als 15 Jahre lang im Rahmen des UNESCO Weltkulturerbe-Programms für die umfassende photographische Dokumentation von Angkor Wat verantwortlichJaroslav Poncar und verbrachte alljährlich viel Zeit in Kambodscha. Die größte Tempelanlage der Welt kennt er wie kaum ein anderer. Poncars beste Fotografien sind in dem opulenten 2005 erschienenen Bildband „Angkor“ zu sehen, der von einem hervorragenden Text des Asienkenners und Autors John Keay eingeleitet wird.

 

Der Wunsch, nach Angkor zu reisen, entstand bereits während des Studiums an der RWTH Aachen. „Mein Freund Miroslav Wolf, der Architekt wurde, brachte im Herbst 1969 aus der Hochschulbibliothek zwei Bücher über Angkor. Es war sofort klar: Da wollen wir hin! Und ein Jahr lang unterwegs sein. Nach dem Studium sind wir tatsächlich aufgebrochen, kamen aber nur bis Jemen und Oman, weiter östlich ging es nicht. Als ich dann 1993 zum ersten Mal nach Kambodscha kam, waren die Roten Khmer noch sehr aktiv; da wurde in den Peripherien noch geballert, vor allem nachts. Bis zum Tod von Pol Pot 1998 war die Gegend sehr unsicher. Aber nachdem ich zwanzig Jahre auf diese Gelegenheit gewartet hatte, konnte mich nichts von dieser Reise abhalten. Mit meinen Freunden haben wir es gewagt. Als ich nach Angkor kam, war ich wie erschlagen.“ 

Auf der Photokina 1992 stellte ein Schweizer Hersteller eine neu entwickelte Roundshot-Kamera vor. Die konnte mit Wechslobjektiven von Makro bis Unendlich, ja sogar auf Schienen entlang einer Wand fahren und Aufnahmen machen. Als der Hersteller Poncar zusicherte, dass die Kamera hundert Meter in den Tropen fahren kann, war das Angkor-Projekt geboren. „Mit sechs Studenten habe ich die Technik angepasst, und 1995 sind wir mit hundert Metern Schienen und 800 kg im Gepäck nach Angkor aufgebrochen. Das Projekt brachte das längste Dia der Welt: 2,4 m. Danach habe ich dort ein professionelles Labor eingerichtet und die nächsten zehn Jahre an der Fotodokumentation gearbeitet. Es war spektakulär.“ 

Seine fotografischen Projekte außerhalb Europas führten ihn nach Afrika, Arabien und Asien. Es war jedoch immer wieder Asien, wo er die meiste Zeit verbrachte: Himalaya, Tibet, Indien, Burma, Kambodscha. 

 

Jaroslav Poncar, der Reisefotograf, aber nie Lehrer sein wollte, wurde es am Ende doch. Nach seinem Studium der Kernphysik an der Technischen Universität Prag und der RWTH Aachen siedelte er nach Köln über, wo er mit 28 Jahren als Professor an der FH Köln im Fachbereich Photoingenieurwesen begann und 37 Jahre unterrichtete. In dieser Zeit unternahm er – unter teils abenteuerlichen Bedingungen – viele Reisen in Asien und Arabien, seit 1976 mit seiner antiken russischen FT-2 Panoramakamera. Die Panoramafotografie wurde zum wichtigen Teil seiner Arbeiten, die in unzähligen internationalen Ausstellungen, Büchern und Kalendern publiziert wurden und für die er mit vielen Preisen ausgezeichnet wurde. Zusammen mit dem Kameramann und Produzenten Wolfgang Kohl drehte er mehrere Dokumentarfilme für das Fernsehen.
„Tibet – Tor zum Himmel“ wurde 1988 als bester Dokumentarfilm des Filmfestivals im italienischen Trento ausgezeichnet. 

www.poncar.de

 

 

Text: Drahomira Hampl I Fotos: Jaroslav Poncar

 

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