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Allmuth Lenz und
die Camera Obscura

Unsere Reihe über die Kölner Fotografen möchte außer Persönlichkeiten der städtischen Szene auch die verschiedenen Themen und Techniken des Mediums vorstellen. Nach der Schwarzweiß-Ruinenarchitektur von Martin Classen, der dynamischen Körperfotografie von Gert Weigelt, der engagierten Sozialfotografie von Bettina Flitner, der strengen Architektur von Boris Becker, den urban-bunten Bildern von Wolfgang Zurborn, den verspielt arrangierten Installationen von Bettina Gruber und den Angkor Wat-Panoramen von Jaro Poncar widmen wir uns in der Zeit der Corona-Pandemie den Wurzeln der Fotografie: der Camera Obscura. Es gab sie schon lange bevor wir das Bild fixieren konnten. Die Renaissance-Maler lehrte sie, Perspektive zu begreifen. Es handelt sich um eine alte analoge Technik, die schwer zu beherrschen und unberechenbar ist, da ihr Blende und Zeiteinstellungsmöglichkeit fehlen. Sie hat eine Belichtungszeit von mindestens einem Atemzug.
Auch wenn hinter jedem Bild ein Gedanke und eine Vorstellung stecken, ist das Endergebnis immer auch ein Zufallsprodukt. Die linsen- und optiklose Camera Obscura kann aus einer leeren Zigarettenschachtel, einer beliebig großen Pappschachtel oder einer leeren Konserve bestehen und hat nur ein winziges, fast unsichtbares Loch in der Mitte. Sie braucht lediglich zwei Wände und einen dunklen Raum dazwischen. Und einen Film. Allmuth Lenz hat eine eigene Handschrift im Umgang mit dieser Technik entwickelt. Sie nennt ihre Pappschachtel „Lochbox“ und hat sie immer in ihrem Rucksack dabei. Die entstandenen Bilder sind mit einem Schleier aus Licht und Nebel überzogen. Bäume, vielleicht ein Wald, Schiffe mit Fahnen, vielleicht ein Hafen, Meer. Alles unscharf und unbestimmt in bunten Farben, viel Rot und Blau. Romantisch, lyrisch bis melancholisch…
„Der Wunsch und die Vorstellung, man könne etwas wie den Wind in den Bäumen, das Flirren des Lichts oder das Gefühl eines Moments mit einer Fotografie einfangen, bleibt oft Illusion, aber immer eine Versuchung. Mit der Lochbox komme ich am nächsten dran.“ Sie ist auch Malerin und lässt beide Medien gern in ihren Bildern mit verschiedenen Techniken verschmelzen. Als engagierte Gynäkologin hat sie ein Leben lang in Krankenhäusern gearbeitet. Die Kunst ist für sie aber kein Nebengleis, sondern ein gleichwertiger Teil ihrer Persönlichkeit. Sie kämpft mit ihren Themen um Ausdruck und ist manchmal mehr von den bildnerischen Problemen eingenommen als von ihrem Arztberuf. Ein anderes Mal kann die Künstlerin nichts machen, wenn die Ärztin sie nicht lässt. Als Norddeutsche zieht es Allmuth Lenz immer wieder zum Meer, und sie besucht oft verschiedene Häfen; wann immer möglich in Kombination mit einer Schiffsrundfahrt. „Gerade bei Wind und Sturm entstehen vom fahrenden Schiff aus manchmal Bilder des Unterwegsseins gen Horizont voller Sehnsucht…“

Text: Josef Šnobl, Foto: Allmuth Lenz

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